Beschwerde bei der EU: Konkurrenten wehren sich gegen Googles Jobsuche

Beschwerde bei der EU: Konkurrenten wehren sich gegen Googles Jobsuche

Wer heute einen Job sucht, der informiert sich zuallererst online. Und dabei ist häufig der erste Schritt die gesuchte Stelle als Suchanfrage bei Google einzugeben. Basierend auf diesem Nutzungsverhalten hat Google 2017 ein Tool für die Jobsuche eingeführt, das seit einigen Monaten auch in Deutschland und Europa ausgerollt ist. Doch einige Wettbewerber sehen darin einen Machtmissbrauch Googles und haben sich an die EU gewandt, damit diese eine Untersuchung einleitet – und Googles Tool solange einschränkt.
Googles Tool für die Jobsuche: Anreiz für den Wettbewerb oder unlauterer Eingriff?
Ende Mai launchte Google ein unterstützendes Tool für die Suche, das bei dem Finden von Jobs helfen soll.

Auf der Suche nach eurem nächsten Traumjob? Wir freuen uns euch ab heute mit der neuen Stellensuche-Funktion in der Google-Suche zu unterstützen! Was diese Erweiterung so alles kann, erfahrt ihr hier: https://t.co/aANxLH0yn9pic.twitter.com/KhRkFmC0it
— Google Deutschland (@GoogleDE) May 22, 2019

Wenn bei Google etwa „Jobs in meiner Nähe“ eingegeben wird, tauchen in einem auffälligen Snippet Jobs auf. Außerdem wird hierbei auch auf andere Anbieter wie Indeed, StepStone und Co. verwiesen, bei denen nach Jobs gesucht werden kann.
Googles Jobsuche-Tool zur Anfrage „Jobs in meiner Nähe“ (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), Screenshot Google Allerdings sind einige Wettbewerber über die Funktion nicht erfreut. Denn Googles Angaben sind das erste organische Ergebnis. Folglich rutschen Jobsuche-Websites im Blickfeld weiter nach unten. Wenn sie ihre Angebote mit Strukturierten Daten für Google optimieren, können sie bei Googles Tool auftauchen. Doch 23 Jobsucheanbieter haben inzwischen einen Brief an Margrethe Vestager, die noch aktuelle EU-Kommissarin für Wettbewerb, geschickt, wie Reuters berichtet. Zu den unterzeichnenden gehören demnach auch Best Jobs Online aus dem UK und Intermedia sowie Jobindex aus Deutschland. Sie glauben, dass Google mit dem Tool den Wettbewerb in Bezug auf die Jobsuche unlauter zu den eigenen Gunsten beeinflusst. Ein Link auf andere Jobsucheseiten sei keine Rechtfertigung für eine Gleichbehandlung. So wird im Brief gefordert, dass eine Untersuchung eingeleitet wird, während der Googles Tool eine Einschränkung erfährt. Noch aber ist keine offizielle Untersuchung im Gange.
Angst vor Googles Dominanz – die Suchmaschine bleibt diplomatisch
Einige Jobsuch-Websites aus der EU befürchten, dass Google künftig im Rahmen des Jobsuche-Tools Werbung schalten könnte, die die Sichtbarkeit anderer Seiten in den SERPs weiter verringert. Auch die Integration von Angeboten anderer Seiten in das eigene Tool könnte im schlimmsten Fall ausgesetzt werden, so eine weitere Befürchtung. Daher gehen die 23 Unternehmen davon aus, dass Google seine Marktmacht missbraucht, um Jobsuchende auf den eigenen Dienst zu verweisen.
Nick Zakrasek, Senior Product Manager für die Googlesuche, erklärt gegenüber Reuters, dass man das Feedback annehme. Außerdem könnten die Jobsuche-Websites aber von Googles Tool profitieren, was den Wettbewerb ganz neu belebe:
Any provider – from individual employers to job listing platforms – can utilize this feature in search, and many of them have seen a significant increase in the number of job applications they receive. By improving the search experience for jobs, we’re able to deliver more traffic to sites across the web and support a healthy job search ecosystem.
Alleine in den USA konnte das Tool im Juni 2019 laut Reuters 120 Millionen Klicks generieren. Und diese sind für die Unternehmen, die quasi mit Google kooperieren, sehr wertvoll. Und das sind einige. iCIMS, Provider für Job Listings, nennt Googles Tool als drittgrößte Referral-Quelle für die Seiten der Klienten.
Monster wiederum hatte sich wegen schwacher SEO in den vergangenen Jahren bei Google im Ranking verschlechtert. Durch das Tool hat man aber einen Anreiz gesehen, die eigenen Listings zu optimieren, um bei Googles Tool aufzutauchen. Und Chief Executive Scott Gutz sagt:
There’s been a leveling of the playing field.
Letztlich könnte Googles Macht weiter wachsen
Ob es weitere und dann formale Beschwerden bei der EU gibt, ist noch offen. Vestager prüft das Jobsuche-Tool des Suchmaschinenriesen, wird aber die lose Untersuchung an einen Nachfolger weiterleiten, da sie Ende Oktober aus dem Amt scheidet. Klar ist jedoch: für die Nutzer hat das Tool Googles durchaus seine Vorteile und es wird auch künftig sehr viele Klicks generieren. Anbieter, die mit Google kooperieren, um davon zu profitieren, könnten so relevant bleiben. Doch wenn Google hier kein Marktmissbrauch bescheinigt wird, sollte es zu einer offiziellen Untersuchung kommen, wird die Macht, die die Suchmaschine über die Job Listings und die Anforderungen bei Jobsuch-Websites hat, nur größer werden.

Seiten mit Facebooks Gefällt mir-Button müssen Consent zur Datenerhebung einholen

Seiten mit Facebooks Gefällt mir-Button müssen Consent zur Datenerhebung einholen

Er ist auf den meisten Seiten zu finden, der Gefällt mir-Button von Facebook. Über diese Integration sammeln Websites munter Daten zu den Usern, die mit Facebook geteilt werden. Doch jetzt hat der EuGH geurteilt, dass diese Seiten für die Datenerhebung über derlei Buttons mitverantwortlich sind. So müssen die Betreiber der Seiten Nutzer nun aktiv über die Datenerhebung informieren. Auch für andere Plugins dürfte das Urteil Gültigkeit erhalten.
Gefällt mir-Button auf der Seite: Mitverantwortung der Seiten bei der Datenerhebung
In einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs wurde geklärt, inwiefern Seitenbetreiber in der EU für die Datenerhebung mitverantwortlich sind, die durch Plugins, in diesem Fall durch den Gefällt mir-Button von Facebook, vollzogen wird. Vorausgegangen war ein Rechtsstreit zwischen der Verbraucherzentrale NRW und der Fashion ID GmbH, die zu Peek & Cloppenburg gehört. Die Verbraucherzentrale argumentierte laut der Tagesschau, dass persönliche Nutzerdaten bereits beim Klick auf die Seite von Fashion ID an Facebook übermittelt worden seien, selbst wenn der Klick auf den integrierten Gefällt mir-Button ausblieb. Das verstoße gegen das Datenschutzrecht, so die Zentrale.
Der EuGH erkannte nun an, dass auf diese Weise ermittelte Daten als „Erheben der personenbezogenen Daten ihrer Website“ angesehen wird. Daher heißt es im Urteil:
Folglich ist Fashion ID für die Vorgänge des Erhebens personenbezogener Daten der Besucher ihrer Website und deren Weitergabe durch Übermittlung gemeinsam mit Facebook Ireland als verantwortlich im Sinne von Art. 2 Buchst. d der Richtlinie 95/46 anzusehen.
Die Verantwortlichkeit für Seiten, die entsprechende Social Plugins beinhalten, bezieht sich dabei konkret auf „das Erheben der in Rede stehenden Daten und deren Weitergabe durch Übermittlung“. Für die spätere Verarbeitung der Daten durch Facebook kann ein Anbieter mit Gefällt mir-Plugin dagegen nicht verantwortlich gemacht werden. Argumentiert hatte das Gericht in der Entscheidung auch dahingehend, dass Fashion ID von der Einbindung eines solchen Plugins wirtschaftliche Vorteile erhalte, indem Produkte oder Inhalte über die Plattform sichtbarer werden.
Die Folge: Nutzer müssen informiert werden
Als Folge des Urteils müssen Seiten, die den Gefällt mir-Button integriert haben, ihre Nutzer künftig über die Datenerhebung und den Datentransfer informieren, dabei aber auch auf den Zweck derselben eingehen. Um das zu realisieren, könnten Nutzer bald auf eine weitere Consent-Form treffen, die ihre Einwilligung per Klick erfordert. Das dürfte auch für Plugins von anderen sozialen Netzwerken gelten, da die Argumentation in Bezug auf die Datenerhebung im Grunde gleich ist.
Nach alledem ist auf die fünfte und die sechste Frage zu antworten, dass Art. 2 Buchst. h und Art. 7 Buchst. a der Richtlinie 95/46 dahin auszulegen sind, dass in einer Situation wie der des Ausgangsverfahrens, in der der Betreiber einer Website in diese Website ein Social Plugin einbindet, das den Browser des Besuchers dieser Website veranlasst, Inhalte des Anbieters dieses Plugins anzufordern und hierzu personenbezogene Daten des Besuchers an diesen Anbieter zu übermitteln, die nach diesen Vorschriften zu erklärende Einwilligung von dem Betreiber nur in Bezug auf den Vorgang oder die Vorgänge der Verarbeitung personenbezogener Daten einzuholen ist, für den bzw. für die dieser Betreiber tatsächlich über die Zwecke und Mittel entscheidet. Darüber hinaus ist Art. 10 dieser Richtlinie dahin auszulegen, dass in einer solchen Situation auch die in dieser Bestimmung vorgesehene Informationspflicht den Betreiber trifft, wobei dieser die betroffene Person jedoch nur in Bezug auf den Vorgang oder die Vorgänge der Verarbeitung personenbezogener Daten informieren muss, für den bzw. für die dieser Betreiber tatsächlich über die Zwecke und Mittel entscheidet.
Auch kritische Stimmen zur Mitverantwortung der Seiten
Mit dem Urteil des EuGH werden die betroffenen Websites, und das sind extrem viele, eine neue Herausforderung meistern müssen. Die Informationspflicht gegenüber den Nutzern ist nur logisch in Anbetracht der in der EU geltenden Datenschutzregularien. Dazu ist sie sinnvoll, um den Nutzern im Kontext ihrer eigenen Datensicherheit mehr Selbstbestimmung zu vermitteln. Nichtsdestotrotz wird ein weiteres mögliches Consent-Fenster auf den meisten Websites die User womöglich auch nerven. Kritische Stimmen zur pauschalen Einwilligungsforderung, die aus dem Urteil hervorgeht, kommen indes vom BVDW. Vizepräsident Thomas Duhr erklärt:
Die Grundsatzfrage, inwiefern Betreiber von Webseiten überhaupt Einfluss nehmen können auf Art und Umfang der Erhebung, wurde hier nicht abschließend geklärt. Mangels Einflussnahmemöglichkeiten ist die Rechtsauslegung in Richtung einer gemeinsamen Verantwortlichkeit für die Datenerhebung doch sehr fragwürdig. Hier aber wieder das Einwilligungsprinzip für alle Nutzer zugrunde zu legen, geht an jeder Realität vorbei – das macht jede Webseitennutzung aus Sicht der Nutzer maximal kompliziert und umständlich.
Als Alternativen steht einerseits im Raum, Like Buttons erst nach einem initialen Klick aktiv zu schalten, andererseits gibt es den sogenannten Shariff Button, der die Verbindung zum sozialen Medium erst nach einem Klick aufbaut.
Beide Lösungen stellen sicher, dass sich Nutzer bewusst für die Interaktion durch soziale Netzwerke in diesem Kontext entscheiden. Somit müssen sich nicht alle Besucher einer Seite durch Einwilligungstiraden quälen. Vor allem, weil es viele Nutzer eben doch nicht direkt betrifft,
so Duhr weiter. So oder so müssen die Nutzer sich im Klaren darüber sein, dass ihre Daten weitervermittelt werden. Die Art und Weise, wie sie davon unweigerlich in Kenntnis gesetzt werden, mag jedoch mit der pauschalen Einwilligungsforderung nicht die eleganteste sein. Doch diese kommt zunächst auf die Seitenbetreiber zu. Wer als Nutzer allerdings geglaubt hatte, bei Seiten mit Social Plugins keine Daten an den Anbieter dieser Buttons zu übermitteln, ist in der digitalen Welt naiv unterwegs gewesen. Das darf jedoch kein Argument für Websites sein, diese Datenerhebung nicht deutlich zu offenbaren. Wir dürfen also gespannt sein, wie sich das Bild auf Websites in der nächsten Zeit ändern wird.

Hunderte Boris Johnson-Ads bei Facebook aufgetaucht – A/B Testing für politische Werbung

Hunderte Boris Johnson-Ads bei Facebook aufgetaucht – A/B Testing für politische Werbung

A/B-Testing ist im Marketing eine gängige Methode, um herauszufinden, welche Werbekampagnen besonders gut von der Zielgruppe aufgenommen werden. Unternehmen können aus den Ergebnissen lernen und ihr Marketing anpassen und effektiver gestalten. Kein Wunder also, dass auch die Politik sich diese Methode zu Eigen macht, um herauszufinden, welche Botschaften die Wähler erreichen. Dabei stellt auch der neue britische Premierminister Boris Johnson keine Ausnahme dar.
Über 500 verschiedene Versionen von „Boris-Ads“
Zunächst einmal ist es nicht ungewöhnlich, dass politische Parteien A/B-Tests durchführen. In Großbritannien wird diese Methode nicht nur von den Konservativen, sondern ebenso von der Labour Party angewandt. Im Rahmen des Brexit und der Ernennung des neuen Premierministers Boris Johnson erregen die Tests jedoch trotzdem besondere Aufmerksamkeit. Sky News Journalist Rowland Manthorpe weißt auf Twitter darauf hin, dass insgesamt über 500 leicht unterschiedliche Ads für Boris Johnson getestet wurden.

And so it begins. The Conservatives welcome the new PM by pumping Facebook full of Boris Johnson ads. They’re running an astonishing 554 versions of these things. Almost as if they’re gathering data for an election… pic.twitter.com/HNq9SAophN
— Rowland Manthorpe (@rowlsmanthorpe) July 24, 2019

Manthorpe vermutet dahinter, dass die Konservativen versuchen, so viele Daten wie möglich für die nächsten Wahlen zu sammeln. Dabei deutet er sogar an, dies könnte zur Vorbereitung auf Neuwahlen dienen. Letzteres wurde jedoch von Johnson bereits dementiert.
Online-Werbung statt Wahlplakat: Neue Arten des Wahlkampfes bergen Risiken
Die Wähler heutzutage lassen sich kaum noch von großen Werbetafeln mit den Gesichtern der Politiker darauf beeinflussen. Der Wahlkampf findet inzwischen online statt, was neue Möglichkeiten, aber auch Risiken mit sich bringt. So ist das Sammeln von Wählerdaten über Facebook und Co. bereits mit ein paar Klicks erledigt. Und auch das Analysieren dieser Datenmengen stellt heutzutage kein Hindernis mehr dar. Doch wie der Fall des Cambridge Analytica-Skandals zeigt, ist nicht alles Gold, was glänzt. So wurde bekannt, dass während der Zeit des Brexit-Referendums von Seiten der „Vote Leave“-Fraktion aktiv auf Mikrotargeting gesetzt wurde, um die Stimmen von Facebook Usern zu erhalten. Die Grenzen zwischen leichter Beeinflussung und direkter Manipulation der Wähler verschwimmen mehr und mehr.
Manthorpe äußert sich besorgt auf Twitter. Ads, die Boris Johnson mit Wählern mit Migrationshintergrund zeigen, könnten beispielsweise dazu dienen, die omnipräsente Islamophobie in Britannien herunterzuspielen und zu verleugnen. Inzwischen bietet Facebook jedoch Möglichkeiten, um zu sehen, auf welche Art die Politik und Werbetreibende ihre Ads ausrollen. Rob Blackie, der mit verschiedenen Non-Profit Organisationen und politischen Parteien zusammenarbeitet, erklärt:

Until very recently, you couldn’t see what people were doing. But Facebook now allows you to see what ads people are putting up. It has become more prominent with political parties, most campaigns have started to do this – although to do it well at scale can be quite time-consuming. Specialised software can automatically create different combinations and pick out the winners, and shut down things that aren’t working.

Der Online-Wahlkampf ist Teil unserer Gegenwart
Dass Politiker online auf Stimmenfang gehen, wird sich nicht mehr ändern. Im Gegenteil, immer mehr Staatsbedienstete richten Social Media-Profile ein und versuchen über Twitter, Facebook und Co. ihre Wählerschaft zu erreichen. Und neben den Risiken eröffnen sich viele Chancen für die verschiedenen Parteien, nicht nur in Großbritannien. So erklärt Blackie, dass mit jedem einzelnen Test eine Effizienzsteigerung um ein oder zwei Prozent möglich sei. Über die Zeit zusammengerechnet, könnte man sein Marketing so 40 bis 50 Prozent effizienter gestalten.
Es ist nur natürlich, dass die Politik zu den gleichen Methoden greift wie die Marketingabteilungen von wirtschaftlichen Unternehmen. Jedoch sollte man sich dabei in den ethisch vertretbaren Grenzen aufhalten. Wahlmanipulation und Datenmissbrauch werden heute schnell aufgedeckt und können zu Vertrauensbrüchen mit der Wählerschaft führen. Hinzu kommt, dass man es mit den A/B-Testings eventuell nicht so übertreiben sollte wie Boris Johnson. Denn wie Manthorpe auf Twitter erklärt: Eine starke Botschaft verliert an Aussagekraft, wenn sie in Hunderten alternativen Versionen einer Ad wiedergekäut wird. Daher scheint es eine gute Maßnahme seitens Facebook zu sein, dass alle politischen Ads als solche gekennzeichnet sein müssen und in einem Archiv frei einsehbar sind.

Twitter entfernt Hate Tweets gegenüber religiösen Gruppen rigoros

Twitter entfernt Hate Tweets gegenüber religiösen Gruppen rigoros

Bei Twitter sind genau wie bei anderen sozialen Medien viele Dinge laut Richtlinien verboten – doch nicht immer werden unangemessene oder sogar Hate Tweets gelöscht. Dazu kommt, dass nach einer neuen Sonderregelung Tweets von einigen Politikern auch bestehen bleiben, wenn sie die Richtlinien verletze. Allerdings ist dann eine Markierung, die auf den Verstoß hinweist, vorgeschaltet. Bei hasserfüllten und entmenschlichenden Tweets gegen religiöse Gruppen soll nun aber eine klare Linie gezogen werden. Und das könnte künftig auch für andere Gruppen Geltung erlangen.
Twitter will Religionsfreiheit schützen
In einem Update zu den eigenen Regeln gegen hasserfülltes Handeln bei Twitter stellte das Unternehmen klar, dass entmenschlichende Sprache, die eingesetzt wird, um religöse Gruppen zu diskriminieren, sofort zur Löschung des Tweets führt. Wenn beispielsweise religöse Gruppen als „Ratten“ oder „Viren“ bezeichnet werden, wird ein gemeldeter oder durch den Algorithmus entdeckter Tweet unmittelbar entfernt – und das sollte er, denn diese Rhetorik erinnert an menschenrechtsverletzende und faschistische Muster.
Tweets mit einem solchen Worlaut in Kombination mit religiösen Gruppen sollen künftig direkt gelöscht werden, © Twitter Wurde vor dem Inkrafttreten dieser Regeln ein solcher Tweet gesendet, muss er zwar gelöscht werden, der Account hat aber keinen Ausschluss zu befürchten. Ab sofort ist diese Konsequenz jedoch vorstellbar. Das Update zu den Regeln basiert vor allem auf Feedback der User, die sich eine klarere Sprache wünschten, die zeigt, was verboten ist. Außerdem sollte klargestellt werden, wann und in welchem Kontext die entmenschlichende Sprache verwerflich ist. Immerhin nennen manche Twitter User ihre Follower in anderen Kontexten „Kätzchen“ oder „Monster“, so Twitter.
Kann Twitter die Regeln auch umsetzen?
Eine Sorge, die die Nutzer insbesondere hatten und im Feedback spiegelten, war, dass Twitter die Regeln nicht umfassend durchsetzen könnte. Diese Sorgen dürfte trotz den lobenswerten Updates bestehen bleiben. Und es stellt sich eine weitere Frage: wenn Politiker (mit mindestens 100.000 Followern) nun unangemessene Tweets absetzen dürfen, die dann lediglich als solche markiert werden, sind sie dann auch von dieser Regel befreit? In der Meldung zur Sonderregelung hieß es, dass lediglich zur Gewalt aufrufende Tweets sofort abgelehnt werden. Da aber eine Prüfung der Inhalte stattfindet, denen ein „öffentliches Interesse“ beigemessen wird, das die Grundlage für solche politischen Grenzfälle ist, sollten Diffamierungen religiöser Gruppen ausgeschlossen werden können.
Die rigorosen Regeln – eine ebenso rigorose Durchsetzung kann man nur erhoffen – sollen künftig auch bei anderen geschützten Gruppen Anwendung finden, die mitunter in der Gesellschaft marginalisiert werden. Welchen Einfluss soziale Medien auf Menschengruppen haben können, zeigte sich bei der Vertreibung der Rohingya aus Myanmar, die auch über politische Hetze auf Facebook initiiert wurde. Twitter möchte solchen zutiefst beunruhigenden Entwicklungen vorbeugen. So lobenswert derlei Schritte mit Updates der Richtlinien auch sind, für viele sind sie zu begrenzt und kommen deutlich zu spät.

Britische Werbeaufsicht: 30.000 Follower machen dich zum Prominenten

Britische Werbeaufsicht: 30.000 Follower machen dich zum Prominenten

Der Account ThisMamaLife hat 37.900 Follower bei Instagram und macht gelegentlich Werbung. Bei einer Ad für Schlaftabletten aber wurde die britische Advertising Standards Authority (ASA) hellhörig, denn die Aufsicht untersagt die Bewerbung von Medikamenten durch Mediziner oder Prominente. Und nun erklärte die ASA, dass schon 30.000 Follower einen Account zum Celebrity machen, zumindest was das Werberecht angeht. Doch die Vorgaben der Organisation sind rechtlich nicht bindend.
Auch Ads bei kleineren Influencern werden kontrolliert
Familienbloggerin und Vloggerin Sarah hat mit ThisMamaLife Accounts, die sowohl bei Instagram als auch bei YouTube die 30.000er-Marke knacken. Damit kann sie Werbepartnern in einer ganz bestimmten Zielgruppe eine beträchtliche und schon relevante Reichweite bieten. Und so wird bei Instagram auch gerne eine Ad integriert.

Unter den Werbeanzeigen war auch eine für Phenergan Night Time Schlaftabletten, wie The Verge berichtet. Nun sagt aber die ASA ausdrücklich:
Additionally, medical professionals and celebrities should not be used in ads to endorse medicines.
Diese Vorgaben beziehen sich auf Werbung außerhalb des Rundfunk-Bereichs und sind rechtlich nicht bindend, haben in Großbritannien dennoch Gewicht. In Bezug auf die Werbeanzeige, für die das Unternehmen Sanofi UK bezahlt hatte, gab dieses zu bedenken, dass ThisMamaLife kaum mit Berühmtheiten wie Stephen Fry oder etwa David Beckham (derzeit 56,8 Millionen Follower auf Instagram) zu vergleichen sei. Die Ad sei auch mit der Proprietary Association of Great Britain abgeklärt gewesen. Bei ThisMamaLife ist es nicht das erste Mal, dass im medizinischen Kontext geworben wird.

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A post shared by Sarah | Family Blogger/Vlogger (@thismamalife) on Mar 10, 2019 at 1:16pm PDT

Der Verweis auf die Regel: Machen 30.000 Follower eine Berühmtheit?
Trotz der Argumentation von Sanofi UK hat die ASA auf die Regel 12.18 des Committees of Advertising Practice (CAP) Codes hingewiesen, die oben zitiert wurde. Im Kontext der Werberichtlinien sei ThisMamaLife also eine Berühmtheit:
We noted Sanofi’s argument regarding the comparatively low number of followers ThisMamaLife had in contrast to notable celebrities. However, we considered that over 30,000 followers indicated that she had the attention of a significant number of people. Given that she was popular with, and had the attention of a large audience, we considered that ThisMamaLife was a celebrity for the purposes of the CAP Code.
Because we considered that ThisMamaLife was a celebrity for the purpose of the CAP Code, and as she had endorsed a medicine, we concluded that the ad had breached the Code.
Die ASA unterrichtete Sanofi UK davon, dass Influencer, die als Celebrities gelten – also bereits all jene, die über 30.000 Follower haben – nicht für die Bewerbung von Medizin geeignet sind. Die Ad sollte nicht mehr zu sehen sein. Gefunden haben wir sie auch nicht mehr. Und das, obwohl die Angaben der ASA keine rechtliche Bindung aufweisen.
In den USA wird schon vermehrt von Influencern für Medikamente geworben, wobei dort deutlich weniger Regeln dagegen sprechen. In Deutschland scheint der Trend noch nicht ganz so populär zu sein. Jedenfalls darf man sich fragen, ob die Bewerbung von Medikamenten durch Einzelpersonen sinnvoll ist, während sie bei anderen anders wirken können. Immerhin müssten alle Warnhinweise zusätzlich zur Werbekennzeichnung genannt werden. Ist das aber der Fall, können Ads für Medizin sicher auch in sozialen Medien Einzug halten. Dass im UK allerdings sämtliche Celebrities davon ausgeschlossen sind, zumindest nach der Vorstellung der ASA, macht Pharmaunternehmen einen Strich durch die Rechnung. Umso mehr, da bereits Accounts mit 30.000 Followern als Prominente gelten.

Chinesische App spioniert Touristen bei Grenzübertritt aus

Chinesische App spioniert Touristen bei Grenzübertritt aus

Andere Länder, andere Sitten: das gilt auch für den Umgang mit digitaler Privatsphäre und dem Datenschutz. Eine außergewöhnliche Investigativgeschichte lässt derzeit aufhorchen. In China werden beim Grenzübertritt in der Provinz Xinjiang Menschen mit einer App namens „Feng Cai“ ausgespäht. Diese App überträgt Inhalte des Smartphones an die Grenzpolizei, die nach unerlaubten Inhalten, vor allem islamistisch-terroristischen Materialien sucht.
Die App „sammelnde Honigbienen“
Eine Kollaboration von NDR, Süddeutscher Zeitung, des Londoner Guardian, der New York Times und des Publishers Vice Motherboard hat über die Handlungen in China berichtet, nachdem Touristen von der Überprüfung erzählt hatten. In der Provinz Xinjiang lebt das muslimische Turkvolk der Uiguren. Chinas Regierung wird schon lange vorgeworfen, diese Menschen systematisch zu unterdrücken und zu schikanieren. Auch die Bewohner der Provinz müssen Überwachungssoftware auf ihren Geräten akzeptieren.
Bei der App „Feng Cai“ – übersetzt als „sammelnde Honigbienen“ – werden die Handys von Touristen oder Einreisenden auf dem Landweg in diesem Gebiet auch ohne Anfangsverdacht auf unerlaubte Inhalte hin überprüft. Laut Tagesschau hat ein Tourist berichtet, der Grenzpolizist habe ihm erklärt, man suche nach „Waffen, Terrorismus, Islamismus und Pornographie“. Tatsächlich scannt die App, die vor Ort von der Polizei bei Android-Geräten installiert wird, zentrale Inhalte der Nutzer. iPhones hingegen können von der App nicht geprüft werden und werden an ein Gerät angeschlossen, wobei der Vorgang nicht näher bekannt ist. „Feng Cai“ aber sucht nach einer Liste von 73.315 Inhalten. Das konnten die Journalisten mithilfe von IT-Experten der Ruhr-Universität Bochum herausfinden, die die App entschlüsselt haben. Das Opentech Fund, ein staatlich finanziertes US-Forschungsprogramm, und das Citizen Lab, ein Institut der Universität Toronto, prüften die Ergebnisse und ergänzten sie. 
Die App scannt nun die Daten der Nutzer und sucht nach Dateien, die zumeist mit islamistischem Terror in Verbindung stehen, aber auch Texte zum Dalai Lama oder Taiwan, Koranverse, arabische Lexika, bestimmte Musikstücke wie „Taiwan – Another China“ von Unholy Grave stehen auf der Liste. Findet die App so ein Dokument beim Abgleich, wird der Grenzpolizist per Warnton informiert, wobei das Ganze in einem separaten Raum stattfindet.

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Überwachung in großem Stil
Die App ist einfach konstruiert, sodass ihre Bedienung für jeden Grenzpolizisiten schnell und simpel bleibt. Auf dem Bildschirm wirkt sie harmlos, sieht dem Android-Symbol zum Verwechseln ähnlich.
Die Späh-App auf einem Smartphone, Quelle: Vice Allerdings kopiert sie Dateien der überwachten Nutzer, darunter Adressbücher, Nachrichten und Nutzerkennungen für chinesische Social Media. Die Übertragung läuft über ein eigens an der Grenze eingerichtetes W-Lan-Netzwerk.
Bei der Tagesschau wird die China-Expertin Maya Wang zitiert, die sagt, dieses Vorgehen sei „ein weiterer Beleg dafür, wie allgegenwärtig die Massenüberwachung in Xinjiang durchgeführt wird“. Die Überwachung auf Grundlage der technologischen Geräte ist in China weit fortgeschritten und geht Hand in Hand mit einer strengen Zensur. In der Provinz Xinjiang sind insbesondere die muslimischen Bewohner einer solch rigorosen Überwachung ausgesetzt, nun jedoch auch Touristen. Das Beispiel zeigt, wie Apps für die Kontrolle von Inhalten und letztlich sogar Lebensweisen genutzt werden können, um anti-demokratische und totalitäre Muster zu spiegeln und durchzusetzen.
Bei der App-Prüfung ist allerdings unklar, was geschieht, wenn die verbotenen Inhalte entdeckt werden – vermutlich wird eine Einreise verwehrt. Es ist auch nicht klar, was mit den Daten geschieht, die die chinesische Regierung auf diese Weise sammelt. Weder diese noch das Unternehmen Nanjing Fiberhome Starrysky Communication Development, welches das Programm nach Angaben im Quellcode entwickelt hat, äußerten sich bislang. Ob womöglich sogar ein Tracking der Nutzer über die installierte App möglich ist, bleibt ebenfalls offen.
Bei allen Möglichkeiten, die Apps bieten, um Nutzerdaten zu sammeln, was für Marketer so relevant ist wie für die App-Betreiber, muss man sich im Kontext dieser Nutzung vor Augen führen, dass die Technologie auch eine große Gefahr für die Menschenrechte bedeuten kann, wenn sie in Systemen zum Tragen kommt, die solche Werte hintanstellt. Daher ist es umso wichtiger, solch orwellschen Entwicklungen auch in Deutschland, den USA oder wo immer man betroffen ist, kritisch zu begegnen. Denn die Folgen von systematischer Ausspähung sind noch nicht abzuschätzen und womöglich weitaus schwerwiegender als der akute Fall des Einbruchs in die Privatsphäre.
Der ausführliche Bericht findet sich bei der Süddeutschen Zeitung und den anderen kooperierenden Publishern.

Sonderregelung bei Twitter: Unangemessene Tweets von Politikern erhalten Kennzeichnung

Sonderregelung bei Twitter: Unangemessene Tweets von Politikern erhalten Kennzeichnung

Twitter ist das Echtzeit-basierte Diskussionsportal unter den sozialen Medien und insbesondere für die Meinungsäußerung bei aktuellen Debatten relevant. Daher wird es vielfach von berühmten und berüchtigten Politikern genutzt, was häufig zu Kontroversen führt. Gesehen haben wir das bei Trump, Kramp-Karrenbauer und Co. Mitunter werden bei den Tweets Grenzen überschritten und der User fragt sich, ob die Äußerungen nicht gegen die Richtlinien bei Twitter verstoßen und entfernt werden müssten. Jetzt hat Twitter aber eine Sonderregelung bekanntgegeben. Personen aus der Politik mit vielen Followern und wichtigen Positionen können auch Tweets verfassen, die gegen diese Richtlinien verstoßen – sofern sie von öffentlichem Interesse sind. Einzig eine Notiz, die sich wegklicken lässt, informiert über den grundlegenden Verstoß.
Neue Regel als Sonderfall für unangemessene Tweets
Die Richtlinien bei Twitter verbieten beispielsweise Tweets, die Gewalt verherrlichen, oder aber missbräuchliches Verhalten im Allgemeinen. Dazu zählen laut Richtlinie etwa „aggressive Beleidigungen mit dem Ziel, andere zu belästigen oder einzuschüchtern“ oder auch die „Ermutigung oder Aufforderung an andere, eine Einzelperson oder eine Gruppe von Personen zu belästigen“. Es gibt eine ganze Reihe von Inhalten und Verhaltensweisen, die nicht toleriert werden. Allerdings gilt bei Twitter auch:
Ob eine angemessene Nutzung vorliegt, wird von Fall zu Fall entschieden. Es gibt keine klare Formel für die Entscheidung, ob eine Nutzung als angemessen gilt.
Wenn Politiker nun Grenzen überschreiten und vielleicht andere Menschen diffamieren oder diskriminieren, wird gefordert, dass ihre Tweets entfernt oder ihre Konten gesperrt werden. Das war bei Twitter jedoch nicht immer der Fall. Die Plattform versteht sich als genau das, eine Diskussionsplattform, die nicht allzu viel regulieren möchte und die Echtzeitkommunikation bei Debatten hoch im Kurs hält; daher bleibt auch die Edit-Funktion vorerst eine Wunschvorstellung vieler Nutzer. Die neue Regelung Twitters sieht nun jedoch vor, die eigenen Richtlinien im Sinne des öffentlichen Interesses zu beugen und das transparent zu machen – und dürfte damit die Debatte um Meinungsfreiheit und Hate Speech in sozialen Medien weiter anheizen. Das öffentliche Interesse kann schwerer wiegen als das Einhalten aller Richtlinien, entscheidet das Medium. Begegnen die User einem Tweet, auf den das zutrifft, werden sie jedoch mit einer Notification konfrontiert, die das klarstellt.
Twitters Notiz zu Tweets, die im öffentlichen Interesse stehen, aber Richtlinien verletzen, © Twitter Diese Notification wird in der Timeline und in anderen Bereichen wie der Suche sichtbar sein. Sobald ein Tweet diese Benachrichtigung vorgeschaltet bekommt, wird er bei Twitter weniger prominent auftauchen. Er erscheint nicht in:
der Safe Search
der Timeline nach Top Tweets
bei Live Event-Seiten
bei empfohlenen Push-Benachrichtigungen
in Explore
im Benachrichtigungs-Tab
Die Einschränkungen der Sonderregel
Die Definition des öffentlichen Interesses bezieht sich in diesem Fall auf Politiker. Und diese müssen bei ihren Accounts bestimmte Kriterien erfüllen:
Sie müssen ein Regierungmitglied sein oder ein solches offiziell repräsentieren, ein öffentliches Amt bekleiden oder dafür kandidieren oder eine Position einnehmen, die eine Regierungsbeteiligung absieht (künftige Minister und dergleichen).
Die Accounts müssen über 100.000 Follower haben.
Und die Accounts müssen verifiziert sein.
Tweets, die unmittelbar Gewalt androhen oder zu Gewalt aufrufen, sollen jedoch nicht als im öffentlichen Interesse deklariert werden; jedenfalls stuft Twitter das als „sehr unwahrscheinlich“ ein. Die Benachrichtigung zu derlei Tweets, die im öffentlichen Interesse stehen, wird keinen bestehenden Äußerungen zugeschrieben und Twitter kann nicht sagen, wann sie das erste Mal Anwendung finden wird. Zudem gibt Twitter an, dass die Definition des öffentlichen Interesses sich wandeln könnte. Aber wie entscheidet das Team nun darüber, ob ein Tweet das Prädikat dieses öffentlichen Interesses verdient?
Dazu wird von einem interdisziplinären Team eingeschätzt, ob die Äußerung die physische Sicherheit der Nutzer beeinträchtigt. Wie schwer ist die Verletzung der Richtlinien? Können Politiker, Regierungen usw. für die Tweets verantwortlich gemacht werden, wenn sie auf der Plattform bleiben? Beinhaltet die Äußerung neben ihren Elementen, die gegen die Richtlinien verstoßen, Informationen, die die Öffentlichkeit zu erfahren ein Recht hat? Könnte ein Entfernen dafür sorgen, dass der Kontext der Debatte und womöglich ein öffentlichkeitsrelevanter Diskurs damit verfälscht werden? All diese Fragen werden bei der Entscheidung miteinbezogen, ebenso wie die Möglichkeit, dass der Tweet eine einzigartige Perspektive ermöglicht, die nur dort zu finden ist und den öffentlichen Diskurs betrifft.
Sofern ein Tweet aber die Richtlinien verletzt und nach Twitters Einschätzung kein öffentliches Interesse abdeckt, muss der Account-Besitzer diesen entfernen.
Kontext ist schwer definierbar
Die Notification von Twitter informiert Nutzer über das Moment des unangemessenen bei Tweets, obwohl sie das wohl selbst erkennen können. Wichtiger ist die Anmerkung, dass dieser Tweet in dem Fall auf der Plattform verbleiben darf, weil er von öffentlichem Interesse ist. Mit dieser Angabe schafft Twitter schon einmal einen Kontext, der einen Versuch macht, die Balance zwischen Meinungsfreiheit und der Treue zu Richtlinien digitaler Netzwerke aufrechtzuerhalten. Dass das eine Mammutaufgabe ist, sehen wir jeden Tag, auch bei Facebook, Instagram etc. Denn natürlich können und sollten einzelne Beiträge, die die Richtlinien verletzen, entfernt werden. Bei Twitter aber werden oftmals öffentlichkeitswirksam Meinungen zu relevanten Debatten geäußert, die tatsächlich zu einer multiperspektivischen Meinungsbildung beitragen können, auch wenn sie provokativ sind oder gegen Richtlinien verstoßen. Es ist schwer zu entscheiden, wann sie für einen gesamtgesellschaftlichen Kontext relevant bleiben.
Twitter hat also für die eigene Plattform und die eigenen Regeln das Ermessen in den Vordergrund gestellt, macht dieses aber nun transparenter. Viele könnten sich fragen, warum diese Richtlinien im Einzelfall verletzt werden dürfen. Die Erklärung des Unternehmens ist jedoch nachvollziehbar, wenngleich auch hier jeder das Recht hat, eine eigene Meinung dazu zu entwickeln und – in einem bestimmtem Rahmen – zu äußern. Wenn jedoch auf das öffentliche Interesse Bezug genommen wird, wäre eine Anwendung der Regel womöglich auch auf anderen zentrale Figuren zu übertragen, die nicht allein aus dem Bereich der Politik stammen. Allerdings würde das ebenfalls eine Schwierigkeit mit sich bringen: wer würde als öffentlichkeitsrelevant gelten, Journalisten, Menschenrechtler, YouTuber? Und mit welcher Grundlage könnten ihre etwaig unangemessenen Tweets legitimiert werden, helfen sie im Kontext des öffentlichen Interesses weiter? Die Diskussion ist und bleibt kompliziert. Wir werden abwarten müssen, bei welchen Tweets Twitter die Notiz einsetzt. Dann können wir uns ein Urteil über die Einschätzung bilden. Es geht am Ende immer um den Kontext.

Journalistisch geprägte Suchanfragen bei Google kommerziell kaum relevant

Journalistisch geprägte Suchanfragen bei Google kommerziell kaum relevant

Die Debatte um die EU-Urheberrechtsrichtlinie ist nach dessen Annahme durch das Europäische Parlament inzwischen abgeebbt. Von Uploadfiltern, die die Diskussionen im Vorwege prägten, ist in der Richtlinie konkret gar nicht mehr die Rede, ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger bleibt jedoch Teil der Vorgaben, die die EU-Staaten umsetzen müssen. Doch welche Folgen könnte das haben, wie wichtig sind journalistische Beiträge für Google? Eine Studie von SISTRIX zeigt: nicht so sehr, wie man glauben möchte.
SISTRIX analysiert journalistische Inhalte bei Google
Nachdem die EU-Urheberrechtsreform beschlossene Sache ist, müssen sich die Mitgliedstaaten in den kommenden zwei Jahren darum bemühen, die Vorgaben der Richtlinie auf nationaler Ebene im Gesetz umzusetzen. Zu bemerken ist hierbei, dass es zu differenten Auslegungen kommen kann, da es sich um eine Richtlinie handelt, nicht um um eine Verordnung wie etwa die DSGVO sie darstellt.
Diese EU-Urbeberrechtsrichtlinie beinhaltet auch die Vorgaben für ein sogenanntes Leistungsschutzrecht – das in Deutschland tatsächlich schon seit 2013 in ähnlicher Form Bestand hat. Die Auslegung der in Artikel 15 definierten Vorgaben mag variieren. Denn es ist nicht ganz klar, ob journalistische Inhalte etwa in Form von Snippets oder Auszügen bei Suchmaschinen wie Google oder Aggregatoren lizenzpflichtig werden.
Für diese Titelangaben dürften keine Lizenzen nötig sein (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), Screenshot Google News Hyperlinks werden von der Regelung ausgenommen, womit die Furcht vor einer Linksteuer eingedämmt sein dürfte, doch es ist nicht klar, was genaue einzelne Wörter oder sehr kurze Auszüge umfasst, die ebenfalls ausgenommen sind. Von einigen Mitgliedern der Digitalgemeinde wird nun befürchtet, dass Google, sollte die Suchmaschine theoretisch gezwungen werden für journalistische Inhalte von Presseverlegern Lizenzgebühren zu zahlen, eher seine News-Rubrik schließt als Geld abzugeben. Dieses Szenario hat es in Spanien bereits gegeben. Und obwohl auch Lizenzregelungen im Raum stehen, bei denen Google die Rechte für die Darstellung der Inhalte ohne Entgeltzahlung erhält, bleibt die Furcht in der EU bestehen. Zwar muss die Richtlinie samt Artikel 15 erst in geltendes Recht umgesetzt werden, doch klar ist: die Relevanz von journalistischen Inhalten ist für Google gar nicht so groß. Das hat SISTRIX in einer aktuellen Studie deutlich dargelegt.
Bei kommerziellen Suchanfragen spielt der Journalismus eine untergeordnete Rolle
Johannes Beus berichtet auf der Website von SISTRIX über die Studie. Bei dieser wurden Domains analysiert, die innerhalb der Woche vor der Analyse mindestens fünf Artikel über Google News veröffentlicht hatten. So wurde eine Grundlage von 1.278 Domains geschaffen, die in diesem Kontext als journalistisch gelten. Ernüchternd ist dann das Ergebnis, welches zeigt, wie wenig Relevanz journalistische Inhalte für Google bei der Generierung von Einnahmen haben. Nur 0,25 Prozent der Suchanfragen, die journalistisch geprägt sind, sind für Google kommerziell relevant. Bei 53.269.494 untersuchten Suchbegriffen zeigte sich nur bei 132.772, dass organische Ergebnisse auftauchen, bei denen auch Anzeigen zwischengeschaltet sind.
Insgesamt sind lediglich 4,65 Prozent aller analysierten Suchergebnisse journalistisch geprägt. Als journalistisch geprägt gilt ein solches, wenn mindestens fünf der zehn Ergebnisse auf der ersten Seite von Domains kommen, die SISTRIX als journalistisch eingestuft hatte. Erhöht man die Zahl der Ergebnisse auf sieben von zehn, liegt der Anteil nur noch bei 1,64 Prozent.
Das journalistische Angebot bei Google ist bei Suchanfragen insgesamt wenig ausgeprägt, © SISTRIX Im Hinblick darauf, wie viele Treffer überhaupt von journalistischen Domains stammen, erhöht sich der Anteil etwas. Bei 2,6 Milliarden analysierten Google-Ergebnissen kommt SISTRIX auf 7,89 Prozent. Das heißt von diesen knapp 2,6 Milliarden waren rund 211 Millionen Treffer journalistischer Natur. Für einen Gutteil dieser Ergebnisse sind übrigens die 50 erfolgreichsten journalistischen Domains bei Google verantwortlich. Sie vereinen 3,24 Prozent der Ergebnisse auf sich.
Aus der Analyse zieht Beus das Fazit, dass Google kommerziell kaum auf die journalistischen Inhalte angewiesen ist:
Google kann im Zweifel auf diese Angebote in den Trefferlisten verzichten.
Google kann verzichten, aber will die Suchmaschine das?
Auf Grundlage dieser Erkenntnisse und auch mit Hinblick auf das Ende von Google News in Spanien wird deutlich, dass Google für das eigene Geschäft nicht zwingend journalistische Angebote anzeigen muss. Allerdings wäre es dem eigenen Anspruch abträglich, wenn man Nutzern nicht mehr die relevantesten und aktuellsten Informationen von Presseverlegern bieten könnte. Daher hatte sich Google, in Person von Richard Gingras, VP bei Google News, eindeutig gegen das Leistungsschutzrecht in der EU-Urheberrechtsrichtlinie ausgesprochen. So hieß es von Gingras etwa:
We believe the information we show should be based on quality, not on payment. And we believe it’s not in the interest of European citizens to change that.
Dabei bezog sich dies noch auf die ältere Version der Richtlinie mit Artikel 11, die das Leistungsschutzrecht noch etwas drastischer formuliert hatte. Da aber Artikel 15 in der aktuellen Fassung Raum für Interpretationen lässt, dürfen wir bei einer Umsetzung dieses Artikels der Richtlinie in Deutschland darauf hoffen, dass Google und Co. uns weiterhin Snippets von relevanten News-Beiträgen anzeigen werden. Die Suchmaschine selbst könnte es verkraften, wenn das nicht der Fall ist. Für Nutzer wird es schon schwieriger, darauf zu verzichten. Dass eine Lizenzregelung gefunden wird, die Google, den Nutzern und den Verlagen hilft, wenn auch diesen nicht direkt finanziell, ist zu hoffen. Was für viele Nutzer im Alltag relevant ist und für viele Verlage das Zentrum, der Journalismus, ist für Google aber eher ein Prestigebereich. Andere Suchanfragen sind, zumindest kommerziell, viel bedeutender.

Achtsamer Umgang mit Bildern: Urheberrecht und Digital Marketing

Achtsamer Umgang mit Bildern: Urheberrecht und Digital Marketing

„Bild speichern unter“: Nie war es so einfach, ein Werk beliebig oft zu kopieren und zu verbreiten wie im digitalen Zeitalter. In der Google-Bildersuche finden sich immer häufiger Fotos in druckbarer Qualität und das Teilen geistigen Eigentums benötigt oftmals nicht mehr als einen Mausklick. Die Verlockungen lauern meist schon hinter dem nächsten Link oder Suchergebnis der Google-Bildersuche. Gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen ist zumeist mit einem großen Aufwand verbunden. Unter anderem deshalb trat am 6. Juni nun die Urheberrechtsreform in Kraft. Sie soll das Urheberrecht der EU an die Erfordernisse der Digitalgesellschaft anpassen und für einen ausgereiften Schutz geistigen Eigentums sowie eine bessere Vergütung für die Urheber sorgen.
Was aber bedeutet das für diejenigen, die im digitalen Marketing tätig sind? Worauf sollten sie im Umgang mit Bildern achten? Dürfen weiterhin Gifs und Memes hochgeladen werden? Und wie sieht es mit den viel diskutierten Upload-Schranken bei Plattformen wie Youtube aus?
Plattformen sollen haften (Artikel 17)
Die weitreichendste Reform des Urheberrechts findet sich in Artikel 13, jetzt Artikel 17. Er besagt, dass Betreiber von Plattformen wie YouTube oder Google verstärkt in die Pflicht genommen werden sollen, um die Urheber von Werken zu schützen. Ob das mithilfe von sogenannten Upload-Filtern passiert, die Urheberrechtsverletzungen erkennen sollen, bleibt abzuwarten. Die etwa zwei Dutzend Urheberrechtsanwälte jedenfalls, die jüngst auf dem Kongress der CEPIC (Dachverband europäischer Bildagenturen) auch über das europäische Urheberrecht diskutierten, gehen länderübergreifend davon aus, dass diese Technik nicht über das Gesetz eingefordert wird. Ausgenommen sind ohnehin Anbieter, deren Dienste seit weniger als drei Jahren zur Verfügung stehen und die weniger als zehn Millionen Euro Jahresumsatz bei weniger als fünf Millionen Nutzern machen. Alle drei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit das Portal nicht von der Neuregelung betroffen ist. Sollten Youtube, Facebook und Co. Urheberrechtsverletzungen künftig nicht schon vor dem Upload des Materials erkennen und das Hochladen unterbinden, sind sie also haftbar. Man pocht darauf, dass die Plattformbetreiber in Zukunft eine Bewilligung für urheberrechtlich geschütztes Material einholen. Sprich: Diejenigen, die Inhalte wie Videos hochladen, müssen zuvor schriftlich versichern, dass keine Urheberrechte verletzt worden sind.
Google geht da schon mal in Vorleistung und nennt die Urheber, sobald sie in den IPTC-Daten eingetragen sind. Zudem gibt es mehr Informationen für diejenigen, denen das Wort Urheberrecht wie ein Fremdwort erscheint. Übrigens hat Google – ebenfalls auf der CEPIC – ein neues Feature in der Google-Bildersuche vorgestellt. Material von Bildagenturen kann künftig als „Stock“ gelabelt werden und der geneigte Sucher kann explizit Bilder herausfiltern, die lizensierbar sind. Die Google Bildersuche zeigt folgende Metadaten und deren Feldnamen in der aktuellen Adobe Photoshop CC Version:
ErstellerPhotoshop DE: Autor bzw. IPTC-Kontakt:Ersteller // IPTC: Creator
UrheberPhotoshop DE: Namensnennungen // IPTC: Credit Line
UrheberrechtPhotoshop DE: Copyright-Hinweis // IPTC: Copyright (Notice)
Sobald der Urheber in den IPTC-Daten eingetragen ist, zeigt Google diese an (klick aufs Bild für größere Auflösung). Für Unternehmen, die gern und häufig von sozialen Netzwerken und Plattformen wie Youtube Gebrauch machen, heißt es erst einmal nur so viel: Arbeitet weiterhin gewissenhaft, dokumentiert die gekauften Nutzungsrechte, die Urheber der gezeigten Werke und den Copyright-Status. Künftig werden Plattformen diese Informationen in automatisierter, digitaler Form benötigen, damit Uploadfilter tatsächlich vermieden werden können.
Wie sieht es mit Gifs und Memes aus?
Die im Internet sehr beliebten Gifs und Memes, die durchaus Auszüge von bereits bestehenden, geschützten Werken enthalten können, sollen von den neuen Urheberrechtsregelungen ausgenommen sein (übrigens ebenso wie Zitate und Karikaturen), sodass eine Nutzung entsprechender Auszüge „in selbst erstellten Ausdrucksformen“ zulässig ist. Etwas komplizierter wird es durch die Klausel, nach der sich die Betreiber der Plattformen selbst nicht auf diese Ausnahme berufen können. Die Nutzungserlaubnis soll sich nur auf die Inhalte beziehen, die vom User selbst generiert worden sind, nicht auf deren Uploads auf Online-Portale. Und nicht zu vergessen: Kurze Sätze, wie sie in praktisch allen Memes auftauchen, sind in Deutschland genauso wenig wie Werbe-Slogans urheberrechtlich zu schützen, weil sie schlichtweg zu kurz sind.
Herausforderung Bewegtbild
Auch im Bereich des digitalen Marketings ist der „Broadcast Yourself“-Kanal Youtube längst angekommen. Was aber ist bei der Verwendung von bewegten Bildern zu beachten? Greifen wir auf ein Beispiel zurück: Angenommen, ihr wollt einen kleinen Werbefilm für eure Online-Plattform produzieren und dafür auch Mitarbeiter abbilden. Gegenüber dem starren Motiv in der Fotografie stellen 25 Bilder pro Sekunde beim Video die Verantwortlichen vor neue Herausforderungen. So können beispielsweise Urheber- oder Persönlichkeitsrechte in der Videographie schneller verletzt werden. Wer Bewegung ins Bild bringen möchte, ohne dabei rechtliche Risiken einzugehen, sollte sich deshalb vorab – spätestens aber beim Schneiden des Materials – folgende Fragen vergegenwärtigen:
Befinden sich Menschen im Bild, deren Abbildungserlaubnis nicht vorliegt? Wer sich absichern will, klärt die Einwilligung der abgebildeten Personen durch ein entsprechendes Model-Release. In der Regel liegen Einverständniserklärungen und andere Vereinbarungen in standardisierter Form vor. Im Zweifel kann die Marketing-Abteilung oder die hausinterne Bildredaktion weiterhelfen.
Ist ein künstlerisches Werk im Hintergrund zu erkennen – beispielsweise im Büro Ihrer Mitarbeiter – oder ist eine geschützte Marke zu sehen? Hier gibt es für die Freigaben der Urheber ein sogenanntes Property-Release.
Liegt eine Lizenz für ins Videomaterial eingebundene Fotos vor? Wenn ja, sollte je nach Wortlaut der Vereinbarung der Quellennachweis erbracht werden, beispielsweise im Abspann des Films.
Regel Nummer 1 bis 100: Achtsam sein
Neues Urheberrecht hin oder her: Wer weiterhin achtsam im Umgang mit Bildern und Bewegtbildern arbeitet, muss ich keine Sorgen um die Neuerungen machen, bei denen ohnehin erst einmal abzuwarten bleibt, ob und wie sie bestehende Workflows verändern: Ins nationale Recht umzusetzen sind sie nämlich erst bis zum 7. Juni 2021. Natürlich dürfen sowohl Privatmenschen als auch Unternehmen weiterhin Videos auf Youtube stellen, Bilder in Foren hochladen oder andere Plattformen mit kreativen Ideen bestücken. Problematisch wird es nur dann, wenn die Inhalte nicht selbst fotografiert, gedreht oder aufgenommen worden sind. Texte, Fotos oder Videos von Dritten benötigen eine Genehmigungspflicht, ebenso wie urheberrechtlich geschützte Musik. Das ist ja alles nichts Neues. Zwar wird das sogenannte „Provider-Privileg“ – der Überbringer der Inhalte (also die Plattform) muss nicht für das Überbrachte (also die Uploads der User) einstehen – abgeschafft, doch das heißt noch lange nicht, dass die Nutzer nun willkürlich urheberrechtlich nicht geklärte Inhalte ins Netz stellen können, frei nach dem Motto „Es haftet ja ein anderer“. Egal ob es zu automatisierten Uploadfiltern kommen wird, die jedes hochgeladene Material prüfen und gegebenenfalls zensieren, oder ob die Plattformbetreiber in Zukunft eine Bewilligung für urheberrechtlich geschütztes Material einholen werden – entscheidend wird für alle, die mit Bildern, Texten und Tönen zu tun haben, auch in Zukunft sein: Verschwendet nicht zu viel Energie ins Lamentieren. Kennt lieber eure Rechte.
Fazit: Machen statt meckern
Bewahren wir die Ruhe. Die Herausforderung wird sein, die jüngst beschlossenen Reformen so umzusetzen, dass kreative Urheber tatsächlich profitieren und jeder auch wie bisher lizenzierte Medien hochladen kann. Die Plattformen sollen künftig stärker haften, die Nutzer aber sind nicht aus dem Schneider. Wer seine Metadaten (Fotografenname, Releases, Lizenzen) pflegt, kurzum: wer ausreichend digitales Rechte-Management betreibt und seine Bild- und Videodatenbank mit entsprechenden Metadaten versorgt, hat Vorsorge betrieben und kann entspannt in die Zukunft blicken.

Petition gegen Good Omens: Christen fordern Netflix auf Serie von Amazon Prime zu löschen

Petition gegen Good Omens: Christen fordern Netflix auf Serie von Amazon Prime zu löschen

Letzten Monat erschien das Amazon Prime Original Good Omens, die Serienadaption des gleichnamigen Buches, geschrieben von Neil Gaiman und Terry Pratchett. Hierbei handelt es sich um eine Satire zur Apokalypse, welche sich mit der Frage von Gut und Böse befasst. Eine Gruppe Christen zeigte sich besonders verärgert von der Serie. Es handle sich um Blasphemie und satanistische Propaganda, weshalb recht bald eine Petition folgte, die zur Entfernung der Serie auffordert. Leider wurde diese nur an den falschen Streamingservice gerichtet: Netflix.
Warum der Aufruhr?
Good Omens bewerkstelligt es die Apokalypse vollkommen ad absurdum zu führen, wie es die ganze Handlung über spürbar ist. Der Antichrist, Einläuterer des Endes aller Tage, wurde geboren – und bei der Geburt vertauscht. Ein Engel und ein Dämon, welche seit Jahrtausenden unter den Menschen leben und über die Jahre zu besten Freunden wurden, sind nun dazu verpflichtet diesen so aufzuziehen, dass er der eigenen Seite zunutze geführt wird. Der Engel Erziraphael (gespielt von Michael Sheen) soll also seine positiven, der Dämon Crowley (gespielt von David Tennant) seine negativen Einflüsse ausmachen, sodass der Antichrist die Apokalypse einleiten kann. Interesse daran hat keiner der beiden, da diese mittlerweile das Leben unter den Menschen genießen. Die vier gefürchteten apokalyptischen Reiter – Krieg, Hunger, Tod, und selbstverständlich auch Umweltverschmutzung – sind ebenfalls mit von der Partie, dargestellt als Biker.
Die Satire scheut sich also nicht ihr Ausgangsmaterial so weit zu parodieren, wie nur irgend möglich ist, wenn auch nie geschmacklos. Dass sich hierzu dennoch Widersacher finden würden, ist unvermeidlich. Bei Veröffentlichung des Buches verhielt sich dies nicht anders. Dass die Petition ans falsche Unternehmen gesendet wurde, ist bereits kurios genug. Die dazu aufgelisteten Punkte sind jedoch auch eher spezieller Natur.
Die Petition selbst
Der primäre Kritikpunkt der Serie sei, sie fördere Satanismus (wer die Serie zu Ende gesehen hat wird wissen, inwiefern dieser Kritikpunkt nicht allzu zutreffend ist), jedoch sei auch die Gesamtdarstellung dieser moralisch falsch und würde die Weisheit Gottes verspotten. Jedoch wurden noch weitere Kritikpunkte gelistet, darunter folgende:
Gott ist eine Frau
Der Antichrist ist ein Kind, welches die Erde gar nicht zerstören möchte
Engel und Dämon wollen das Ende der Welt nicht einleiten, da diese ihnen mittlerweile gefällt
Es gäbe satanische Nonnen (Der schwatzhafte Orden der Heiligen Beryll)
Der Teufel und Satanisten würden angeblich als gut dargestellt
Weitere mögliche Kritikpunkte wie, dass Adam und Eva nicht als weiß dargestellt werden oder der apokalyptische Reiter Pestilenz im Ruhestand ist, scheinen nicht schwerwiegend genug, um sie zu listen. Die Argumentation hinter der Forderung wirkt nicht ganz schlüssig und es bleibt fraglich, ob die Begründer der Petition die Serie überhaupt gesehen haben oder sie nur ganz prinzipiell einleiteten. Die Petition selbst sammelt weiterhin Stimmen und hat bisher 20.000 von angestrebten 35.000 erreicht.
Was hat der Autor dazu zu sagen?
Für Neil Gaiman war die Serie ein Herzensprojekt, da Mitautor Terry Pratchett ihn noch kurz vor seinem Tod bat, dass diese dem Buch treu sein solle. Da die beiden nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde waren, zeigte Gaiman sich besonders bemüht, dies auch umzusetzen. Viele Fans des Buches erfreuen sich an der Serienadaption und die Rezensionen sind überwiegend positiv, sodass Gaiman über diese Petition hinwegsehen kann. Wie auf seinem Twitter Account zu sehen ist, empfindet er sie tatsächlich als sehr belustigend.

This is so beautiful… Promise me you won’t tell them? https://t.co/thYTOG7GBE
— Neil Gaiman (@neilhimself) June 19, 2019

Doch auch eine Vielzahl religiöser Fans meldete sich zu Wort und widersprach der Petition vehement. Laut eigenen Worten seien die Erzählungen eigener Erfahrungen der Zuschauer mit Good Omens für den Autor einer der bereichernsten, wofür Gaiman sich dankbar zeigt.

I’m a pretty spiritual person. And a Christian who takes the bible seriously. Also I adore Good Omens! I. One of those people who still has my first copy signed (although its kept together by rubber bands) back in the day I even bought copies for my youth pastors. They loved it
— Ben (@BenRoric) June 19, 2019

Weder Gaiman noch Pratchett beabsichtigten einen respektlosen Umgang mit Glaube und der Ausgangserzählung. Dass all dies mit dem nötigen Anstand behandelt wird, war beiden durchaus wichtig und viele scheinen der Ansicht, dass dies auch gelungen ist. So melden sich auch unter anderem Pastoren und Priester zu Wort, welche teils von ihrer Zuneigung gegenüber Good Omens sprechen.

Thank you! If we couldn’t have done it with respect, we wouldn’t have done it. https://t.co/Nc5UK5ydtv
— Neil Gaiman (@neilhimself) June 20, 2019

Good Omens bleibt
Amazon Prime Video wird die Serie natürlich nicht wieder entfernen. Tatsächlich scheint dieser Streamingservice die Situation selbst auch amüsant zu finden. Gestern erst folgte ein Tweet, in dem Amazon Netflix das Angebot stellte, sie würden Stranger Things entfernen, wenn Netflix selbiges mit Good Omens tut.

Hey @netflix, we’ll cancel Stranger Things if you cancel Good Omens. 😉 https://t.co/EJPmi9rL7g
— Amazon Prime Video US (@PrimeVideo) June 20, 2019

Petitionen wie diese gibt es mittlerweile im Übermaß. Auch zur achten Game of Thrones-Staffel wurde per Petition dazu aufgefordert, diese nochmal zu filmen. Selbstverständlich ohne Ergebnis. Dadurch, dass derartige Petitionen mittlerweile bei jeder Kleinigkeit folgen, die einer mal mehr, mal weniger kleinen Personengruppe missfällt, werden derartige Petitionen oftmals nicht allzu ernst genommen. Fans der jeweiligen Serien und Filme können über diese Petitionen solange sie existieren jedoch ein klein wenig schmunzeln.