Gute Quoten: YouTube macht den großen TV-Sendern Konkurrenz

Gute Quoten: YouTube macht den großen TV-Sendern Konkurrenz

Vor vier Jahren verkündeten die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) und YouTube erstmals ihre Zusammenarbeit. Es handelt sich dabei um Googles erste Kooperation mit einem JIV und Ziel sei es, einen Überblick über den gesamten Bewegtbild-Konsum der Deutschen zu geben – nicht nur des klassischen Fernsehens. Die ersten Ergebnisse wurden nun in einer Pressemitteilung der AGF veröffentlicht.
Absichtliche Verzögerungen bei der Veröffentlichung der Daten?
Es stellt sich zunächst die Frage, wieso die ersten Zahlen erst vier Jahre nach Beginn der Kooperation veröffentlicht wurden. In diesem Zeitraum berichteten bereits andere Anbieter, dass die Beliebtheit von YouTube immer weiter zunimmt. Besonders die jüngere Generation kehre dem Fernsehen den Rücken zu. Böse Zungen vermögen zu behaupten, dass genau deshalb die Zahlen erst so spät veröffentlicht werden – sie schaden dem Ansehen der großen Sendegruppen. Die AGF wehrt sich jedoch gegen die Vorwürfe und verweist darauf, dass es nie Verzögerungen gab und die Zusammenarbeit mit Google schlichtweg sehr komplex wäre. Es mussten erst diverse Problemstellungen gelöst werden, bevor Auswertungen stattfinden und veröffentlicht werden konnten.
267 Minuten Bewegtbild pro Tag konsumiert Deutschland
Die nun veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf die über 18-jährigen Konsumenten im Zeitraum vom 04. bis 31. Oktober 2018. Insgesamt wurden knapp viereinhalb Stunden Videomaterial pro Tag und pro Kopf geschaut. 232 Minuten davon beziehen sich auf das klassische Fernsehen, zwei Minuten auf die dazugehörigen Mediatheken und 33 Minuten auf YouTube. Die Video-Plattform macht damit einen prozentualen Anteil von 12,4 Prozent aus. Um zu verstehen, wie positiv dieses Ergebnis für YouTube ist, muss man sich Folgendes vor Augen führen: Die Sendergruppen von ZDF und Prosieben/Sat1 liegen mit 45 Minuten pro Tag nur wenig über den Zahlen der Plattform.

Wie zu erwarten sind es lediglich die Gruppen von ARD (60 Minuten) und RTL (52 Minuten), die YouTube deutlich überschatten. Gleichzeitig muss aber bedacht werden, dass es sich bei der Auswertung um die Daten aller Erwachsenen handelt, also auch den älteren Generationen ab 60 aufwärts. Und dafür, dass YouTube bei diesen kaum bis gar nicht konsumiert wird, sind die Werte der Plattform herausragend. Würde man zudem die Zahlen auf kleinere Gruppen herunterbrechen, würde YouTube vermutlich noch besser dastehen. Bei den unter 30-Jährigen ist zu vermuten, dass die Zahlen der Plattform deutlich höher sind und dem Fernsehen starke Konkurrenz machen, beziehungsweise dieses bereits eingeholt haben. So zeigen Ergebnisse aus dem Gesamtjahr 2018, dass die 14- bis 29-Jährigen nicht einmal mehr 100 Minuten Fernsehen pro Tag schauen.
Content Owner weisen starke Werte auf
Leider hat die AFG bisher noch keine Zahlen zum gesamten Bewegtbild-Konsum nach Altersgruppen veröffentlicht. Doch auch wenn im oben genannten YouTube als Gesamtes genommen wird, gibt es bereits Auswertungen zu den Views der Content Owner. Studio71 (Prosieben/Sat1) verzeichnet im Beobachtungszeitraum 630 Millionen Views. Auch die Musikvideos von Vevo erfreuen sich großer Beliebtheit bei 490 Millionen Views. RTLs BroadbandTV kommt auf 463 Millionen. Vor allem die Kanäle der RTL II Formate „Berlin Tag und Nacht“ und „Köln 50667“ tragen hier zum Erfolg bei.

Funk, als Jugendangebot von ARD und ZDF, sticht besonders hervor, weil es seine „Meister“ übertrifft. So wurden im Beobachtungszeitraum 58 Millionen Views verzeichnet, während es auf den Channels der ARD 57 Millionen und bei denen des ZDF sogar nur 19 Millionen waren.
Eine detaillierte Auswertung ist nötig
Weitere Ziele der AFG sind es, die Zahlen wie bei den TV-Quoten herunterzubrechen auf jeden einzelnen Channel und schlussendlich auch auf jedes einzelne Video. So heißt es in der Pressemitteilung:

Für die AGF-Bewegtbildforschung ist es ein beachtlicher Meilenstein, gemeinsam mit YouTube die jetzige Stufe erreicht zu haben. Alle Beteiligten wissen, dass wir an diesem international einzigartigen Projekt beständig arbeiten müssen, um die differenzierte Nutzung der Plattform unter den sich dynamisch verändernden technologischen Entwicklungen bestmöglich abzubilden. Ziel der AGF ist es, YouTube ganz im Sinne eines gemeinsamen Marktstandards als verlässlich transparenten Partner im AGF-System auszuweisen.

Der Ansatz ist gut, jedoch sollten künftige Auswertungen noch detaillierter werden. Besonders auf das Konsumverhalten der jüngeren Generationen sollte eingegangen werden, denn dieses mit denen der Fraktion Ü60 gleichzustellen, lässt die Ergebnisse etwas schwammig erscheinen. So wirkt es momentan noch, als wenn das Fernsehen auf den ersten Blick klar dominiert, während dies in bestimmten Altersklassen schon lange nicht mehr der Fall ist. Zudem sollte auch überlegt werden, Streamingdienste wie Netflix in die Auswertungen miteinzubeziehen. Schließlich gilt für viele inzwischen nicht mehr das Primetime-Programm als Highlight eines entspannten Abends, sondern lieber „Netflix and Chill….“.