AdTech-Pionier John Nardone über Tracking ohne Google ID, Ad Fraud und Innovation

AdTech-Pionier John Nardone über Tracking ohne Google ID, Ad Fraud und Innovation

John Nardone fand seinen Einstieg ins Marketing bereits 1988 bei Ogilvy & Mather. Nach Stationen bei Procter & Gamble und Pepsi war er Teil des Teams, das 1994 die ersten Werbebanner ins Netz gestellt hat. Damals legte er mit Modem Media den Grundstein für die heutige Online-Werbung. Seitdem beschäftigte sich Nardone insbesondere mit Marketing Mix Modelling bei MMA und baute die DMP [x+1] auf, die 2004 an Rocketfuel ging. Aktuell ist er CEO der Datenaktivierungsplattform Flashtalking. Darüber hinaus ist John der Branche als Mitgründer des Internet Advertising Bureaus bekannt.
Im Interview spricht John Nardone über die alten Zeiten und was sich in den vergangenen Jahren verändert hat. Er erklärt, welche Rolle Technologie bei Personalisierung spielt und wie die Branche mit Ad Fraud sowie Brand Safety umgehen sollte. Abschließend gibt John den CEOs noch seinen wichtigsten Tipp mit auf den Weg.
Interview mit John Nardone, CEO von Flashtalking
OnlineMarketing.de: Erzählen Sie doch bitte ein wenig über Ihre Rolle bei Flashtalking und wie Sie dorthin gekommen sind.
John Nardone: Heute bin ich CEO von Flashtalking, aber in der Online-Welt bin ich schon seit 1994 unterwegs, quasi mit der Geburt dieser Branche. G.M. O’Connell, der Begründer von Modem Media, der weltweit ersten Digitalagentur, rekrutierte mich von Pepsi. Er überzeugte mich davon, dass wir an der Geschichte der Werbung im digitalen Raum mitschreiben könnten und forderte mich auf: „Hilf mit, die Regeln für einen ganz neuen Teil der Branche zu gestalten und die Werbelandschaft zu transformieren.“ Das fand ich spannend. Er überzeugte mich mit der Idee, dass ich, wenn ich zu Modem wechseln würde, der David Ogilvy für das digitale Zeitalter werden könnte!
Als ich G.M. neulich auf einer Feier traf, war er überzeugt davon, dass sich erneut eine riesige Chance auftut: die Verbindung von Voice und Werbung, die abermals einen völlig neuen Zugang zum Werbemittel eröffnet. Nach meiner Zeit bei Modem war ich elf Jahre auf der analytischen Seite der Branche tätig. 2015 bin ich dann zu Flashtalking gekommen, weil mir die Kreation in der Werbung fehlte. Nun, da Machine Learning-gestützte Creative Analytics und sprachaktivierte Werbung Realität werden, glaube ich, dass wir an der Schwelle zu etwas Revolutionärem stehen. Ich bin sehr gespannt, herauszufinden, wohin uns der Weg in diesem Jahr führen wird.
Gab es für Sie in den letzten Jahren eine besonders bedeutende Entwicklung in Bezug auf Werbetechnologien? Wie hat sich dadurch Ihr Blick auf die Branche verändert?
Der Wegfall der Google ID brachte für Flashtalking erhebliche Veränderungen mit sich. Wir vertraten schon lange die Meinung, dass es möglich sei, dem Markt bessere Daten zu liefern als das, was Google geboten hat. In den letzten Jahren haben wir uns u.a. mit der Entwicklung von fTrack, einer Lösung für Cookieless-Tracking, auf Produkte konzentriert, die auf dem Glauben fußen, dass Werbetreibende selbst über bessere Daten verfügen und diese nutzen sollten.
Besonders die Nutzung der Google-Plattform war im Markt fest verankert. In den Kundengesprächen haben wir darum immer wieder festgestellt, dass die Menschen nicht bereit waren, Google nicht mehr zu nutzen. Jetzt stehen sie vor den vollendeten Tatsachen und die Auswirkungen sind enorm. Als im letzten Jahr in Europa die Google ID wegen der DSGVO wegfiel, ist in der Branche zunächst die gesamte Dateninfrastruktur zusammengebrochen.
Kunden waren gezwungen, ihre AdTech-Wahl zu überdenken, was sich für uns als ausgesprochen positiv herausgestellt hat. Werbetreibende und Agenturen schauen sich nun unsere datenbezogenen Innovationen und Produkte genauer an und sagen, „Wow, dieses Zeug ist wirklich differenziert.“ Für mich hat sich herauskristallisiert, dass wir was tun können und es hat uns ermutigt, bestimmter auf dem Markt aufzutreten und uns als echte Alternative zu behaupten.
Was glauben Sie, wie Marketing- und AdTech-Unternehmen Daten zukünftig für personalisierte Marketingmaßnahmen nutzen werden?
Wenn ich mit Kunden spreche, weise ich sie oft darauf hin, dass sie als Team viel Zeit aufgewendet haben, um ihre Kunden zu verstehen sowie herauszufinden, wo und wie man die Zielgruppe erreicht. Das Ziel jedes Kunden sollte es doch sein, seine First-Party-Daten sinnvoll mit den Daten von anderen Quellen zu kombinieren. Um erfolgreich personalisierte Werbung auszuliefern, müssen Kunden verstehen, in welchem Kontext und unter welchen Umständen die Zielgruppe Kontakt mit Werbung bzw. der Marke hat. Sie müssen außerdem in der Lage sein, die Werbebotschaft im Laufe der Zeit anzupassen, wenn sich Kontext und Umstände ändern. Unser Ansatz konzentriert sich auf diese vollständige Formel:
Wer + Kontext + Umstände + Zeit.
Wird dies mit dem Wissen kombiniert, welches Gerät gerade genutzt wird, ob Handy oder Desktop oder Tablet, dann erlaubt es viele Einblicke auf Kontext und Umstände. In den USA konzentriert sich unser Ansatz auf diese komplette Gleichung. In Europa sind wir aufgrund der DSGVO stärker eingeschränkt.
Diese Denkweise in eine Werbestrategie und ein Kreativkonzept zu integrieren, erfordert ganz neue Fähigkeiten. Bei den Kreativteams und den Kunden ist dieses Paradigma noch nicht vollständig angekommen. Um die Vorteile der Technologie vollumfänglich nutzen zu können, bedarf es eines Lernprozesses, dem sich Flashtalking verschrieben hat.
Werden wir eine Einigung über die Standards für Brand Safety und Ad Fraud sehen? Welche Präventivmaßnahmen können AdTech-Anbieter ergreifen, um Brand Safety-Probleme zu beseitigen?
Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich von diesen Problemen höre, denn es gibt so viele Tools für Brand Safety und gegen Betrug. Aber auch hier ist es eben so, dass das Werkzeug nur so gut ist wie der Anwender. Offen gesagt, denke ich, dass die Agenturen und die Kunden in diesem Zusammenhang wirklich nachlässig sind, weil sich die Agenturen nicht die Arbeit machen wollen, private Marktplätze zu kuratieren. Sie wollen in der Lage sein, im offenen Web zu surfen, schnell und einfach Dinge zu kaufen und sagen zu können: „Ich habe das Tech-Tool gekauft, also habe ich alles getan, was ich tun kann.“ Aber damit ist es eben nicht getan.
Es ist Fakt, dass es Menschen mit betrügerischen Absichten gibt, diese werden nicht verschwinden. Also müssen Agenturen und Kunden sich damit abfinden, mehr zu tun, als nur mit dem Kauf einer Technologie ein Kästchen abzuhaken. Sie werden Strategien entwickeln müssen, die sich auf die Inventarqualität konzentrieren. Meiner Meinung nach bedeutet das, einen Schritt zurückzugehen und sich zu fragen: „Wie schließe ich mit seriösen Publishern Verträge ab? Ich möchte nach wie vor programmatische Buchungen vornehmen, aber zumindest möchte ich wissen, mit wem ich Geschäfte mache.“ Ja, das ist mehr Arbeit.
Haben Sie Ratschläge für die CEOs und Marketingverantwortlichen von AdTech-Unternehmen?
Zumindest in unserer Branche würde ich sagen, innoviert, innoviert, innoviert. Man darf nicht für einen Moment aufhören, innovativ zu sein. Die Veränderungen kommen immer schneller. Um am Ball zu bleiben, muss man schnell sein.
Zweitens ist das „Produkt“ mehr als nur die Technologie, die zur Verfügung steht. Ihr Produkt umfasst sowohl das intellektuelle Kapital, um die Technologie zu nutzen, als auch die Menschen, die helfen, sie für Ihre Kunden nutzbar zu machen. Gerade im Marketing benötigen Kunden und Agenturen Support.
Vielen Dank für das Interview!

100 Jahre Bauhaus: Bekannte Logos erstrahlen zum Jubiläum in neuem Glanz

100 Jahre Bauhaus: Bekannte Logos erstrahlen zum Jubiläum in neuem Glanz

Vor 100 Jahren gründete Walter Gropius in Weimar eine Schule für Gestaltung, die trotz ihrer kurzen Lebensspanne von vierzehn Jahren die Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts prägen sollte – das Bauhaus. Der sogenannte Bauhaus-Stil basiert auf den Grundzügen der Pragmatik (Form follows Function) und besticht durch einfache, geometrische Formen, Funktionalität und schlichte Schönheit. Manche ziehen gern den Vergleich zu Ikea-Möbeln, zur Verdeutlichung. Jetzt, zum hundertjährigen Jubiläum, startete 99Designs einen Contest, der die Logos der bekanntesten Brands im Bauhaus-Stil zeigt.
And the Winner is…
Den Sieg des Contests holt sich User Jaseng99 mit einer bunten Interpretation des Adidas-Logos auf dunklem Hintergrund.
Grafik: 99designs, Jaseng99
Weitere bekannte Logos im neuen Design
Auch weitere Einreichungen des Wettbewerbs möchten wir euch nicht vorenthalten. Deshalb hier eine Auswahl der bekanntesten Logos im Bauhaus-Stil.
Auch der WWF-Panda bekam ein neue Gewand. Grafik: 99designs, ross!e
Doch nicht nur Unternehmen und Organisationen waren Teil des Wettbewerbs, sondern auch Bands wie AC/DC.

Mit viel Fantasie erkennt man in diesem „neuen“ Instagram-Logo sogar ein Vögelchen – wobei dies vermutlich nicht die Intention des Designers war.

Auf kariertem Hintergrund sticht das grüne Logo von WhatsApp hervor.
Grafik: 99designs, Hawnit_Studio
Natürlich darf auch Google nicht fehlen, hier in einem cleanen, strukturiertem Design mit lateinischen Worten darunter. Übrigens ebenfalls vom Sieger des Contests gestaltet.
Grafik: 99designs, Jaseng99
Der ikonische, angebissene Apfel wurde in einer sehr plastischen Weise dargestellt, bei welcher durch Schattierungen an der richtigen Stelle eine dreidimensionale Optik entsteht.
Grafik: 99designs, Vladimir Nikolic
Zu „Netflix and Chill“ lädt auch dieses Design des Streaming-Anbieters ein, welches durch runde Buchstaben besticht.
Grafik: 99designs, ►ArsDesigns◄
Zwar fehlt dem Twitter-Vögelchen hier seine ikonische blaue Einfärbung, doch allein die Form reicht, um zu erkennen, um welches Unternehmen es sich handelt.
Grafik: 99designs, yuhela
Bei dieser Version des Lacoste-Logos blieb das Wappentier erhalten und funkelt den Betrachter mit seinem roten Auge an. Ebenso sticht der Schriftzug in klaren, ebenfalls roten Lettern hervor.
Grafik: 99designs, raykaya
Und zum Schluss noch eine Version des Nike-Logos, mit breiten, eckigen Buchstaben und Farbverläufen. Der typische Haken wurde in hellblau angedeutet.
Grafik: 99designs, johsua
Der Bauhausstil: Zeitlos und beliebt bis heute
Walter Gropius selbst erklärte einst: „Nur vollkommene Harmonie sowohl in der technischen Zweck-Funktion wie in den Proportionen der Formen kann Schönheit hervorbringen.“ Und damit schien er nicht falsch zu legen, denn der Bauhaus-Stil erfreut sich bis heute großer Beliebtheit – und das nicht nur bei einer großen, schwedischen Möbelkette. Die cleanen Design-Elemente, die nicht mit Schnörkeln und Kitsch verbunden werden, sorgen für eine schlichte Eleganz. Zeitlos und modern wirkt der Stil dadurch. Jedoch heißt Bauhaus auf keinen Fall simpel oder steril, wie die oben aufgelisteten Design-Beispiele anhand ihrer Anordnung und Farbgebung eindeutig beweisen. Kein Wunder also, dass auch heute noch der Bauhaus-Stil in vielen gestalterischen Feldern angewandt wird – egal ob Website, Logos oder eben Häuser und Möbel.
Designer, die nach Inspiration suchen oder sich einfach ausprobieren wollen, könnten sich daher auch selbst am Bauhaus-Stil orientieren. Und wer weiß – einige der Logo-Designs wirken sogar eleganter und ansprechender als die Originale. Vielleicht nehmen sich die Unternehmen selbst ein Beispiel am Wettbewerb und schon bald könnten wir die ein oder andere Stilveränderung beobachten. Eines steht aber definitiv fest: Auch nach 100 Jahren hat das Bauhaus nichts an seiner Ästhetik eingebüßt.

2,5 Millionen Instagram Stories analysiert: So erhöhst du deine Reichweite

2,5 Millionen Instagram Stories analysiert: So erhöhst du deine Reichweite

Instagram Stories sind von der Plattform nicht mehr wegzudenken. Kleine sowie große Profile nutzen das Format, um zusätzlich zu ihren Posts mehr Follower zu erreichen. Auch viele Unternehmen nutzen mittlerweile Stories. Eine neue Analyse von Fanpage Karma gibt nun Auskunft darüber, wie man die eigenen Aktivitäten im Vergleich zur Konkurrenz bewerten kann.
Fanpage Karma analysierte 2,5 Millionen Instagram Stories
Um Richtwerte herauszufinden, die einen Vergleich der eigenen Performance mit der von anderen Profilen ermöglichen und so die eigene Leistung besser einschätzen zu können, analysierte Fanpage Karma 2,5 Millionen Stories aus dem Februar 2019. Die 500.000 untersuchten Profile wurden in fünf Größen unterteilt:
Tiny – bis 1.000 Follower
Small – 1.000 bis 10.000 Follower
Medium – 10.000 bis 100.000 Follower
Large – 100.000 bis 500.000 Follower
Huge – mehr als 500.000 Follower
Das Instagram Stories Benchmarking Sheet
Das jetzt veröffentlichte Benchmarking Sheet gibt Auskunft über die durchschnittlichen Kennzahlen wie die Anzahl der Stories pro Tag, wie viele Follower erreicht werden und dem Engagement mit den Stories. Sprich: wird geantwortet, weitergespult oder ganz übersprungen?
Die Kennzahlen im Überblick. © Fanpage Karma Während tägliche Story-Updates nicht mehr aus dem Alltag der großen Profile wegzudenken sind, nutzen kleinere Profile das Format noch deutlich seltener. Dafür erreichen sie damit durchschnittlich mehrere ihrer Follower. Jeder fünfte Nutzern schaut sich bei Profilen mit unter 1.000 Followern die hochgeladenen Stories an, bei den Profilen mit über 500.000 Followern sind es nur noch 5 Prozent. Viele Antworten erhält keine der Größenkategorien. Die Antwortrate liegt bei geringen 0,26 bis 0,01 Prozent. Zudem werden ca. drei Viertel aller Stories gar nicht bis zum Ende angeguckt, sondern stattdessen weitergeklickt. Das verdeutlicht, dass Instagram Stories von den Nutzern ganz anders konsumiert werden als reguläre Posts auf der Plattform.
Große Profile nutzen mehr Videos, kleinere setzen noch auf Fotos
Aus der Studie ist zu erkennen, dass große Profile Stories deutlich häufiger nutzen als kleine Profile. Obwohl Instagram Stories längst kein neues Format mehr sind, scheinen sich Profile mit weniger Followern eher noch auf die regulären Posts zu verlassen. Sie posten seltener als einmal am Tag eine Story, während große Profile mit mehr als 500.000 Followern durchschnittlich über drei Stories am Tag veröffentlichen.
Der durchschnittliche Anteil von Videos in Instagram Stories nimmt auch mit der Followeranzahl zu. © Fanpage Karma Auch scheinen große Profile bereits den Nutzen von Videos in Instagram Stories erkannt zu haben (mehr zu den Vorteilen weiter unten). Die Profile nutzen steigend mit der Followeranzahl auch mehr Videos in Stories als kleinere Profile. Letztere haben einen durchschnittlichen Anteil von gut 40 Prozent des Video-Formats in Stories, große Profile schon über 60 Prozent.
Stories als sinnvolle Ergänzung zu Posts
An die Reichweite von Posts, die bis zu 60 Prozent der Follower erreichen können, kommen Instagram Stories (noch) nicht ran. Die 5 Prozent der Follower, die große Profile mit ihren Stories erreichen, sowie die 20 Prozent der kleinen Profile sind dennoch als Plus zu den regulären Posts zu betrachten. Im Gegensatz zu diesen werden mehrere Stories am Tag nicht so schnell als zu viel empfunden. Postet ein Profil mehrmals am Tag, kann dies einige Abonnenten leicht abstoßen. So sind Stories eine sinnvolle technische Ergänzung zu den Posts des Profils, zumal sie inhaltlich auf Grund der zusätzlichen Interaktionsmöglichkeiten deutlich mehr bieten.
Sprüche und Weisheiten erreichen die meiste Reichweite
Kleine Marken haben treue Abonnenten und große Spaßseiten sind eindeutige Reichweiten-Sieger. © Fanpage Karma Wird die Reichweite der Profile nach Branchen sortiert, lässt sich erkennen, dass besonders Marken es auf Instagram nicht leicht haben. Bei kleinen Profilen sind noch keine großen Unterschiede zu erkennen, dort scheinen die Fans treu einen Großteil der Stories anzugucken, doch je höher die Followeranzahl, desto weniger wird die Story tatsächlich geschaut. Interessant zu sehen bei Profilen ab 100.000 Followern ist, dass echte Personen mehr Reichweite haben, als die gleich großen Markenprofile. Stichwort: Influencer Marketing.
Keine der Branchen reicht jedoch an sogenannte Spaß-Profile ran. Wie auf Facebook erreichen Sprüche und Weisheiten die meisten Follower. Society-Profile verfügen bei großer Followeranzahl über am wenigsten Reichweite. Das lässt vermuten, dass der durchschnittliche Instagram-User die Plattform zu anderen Zwecken nutzt, als sich über politische Themen zu informieren. Facebook und Twitter bieten mit ihren seitenlangen Diskussionen eine bessere Plattform.
Nicht abschrecken lassen von wenigen Replies
Mit Antworten auf eine Story darf nicht gerechnet werden: nicht mal jeder 1.000 antwortet auf die Stories kleiner Profile. Bei Profilen mit vielen Followern sind es sogar nur 0,01 Prozent. Instagram versucht dies mit neuen Interaktionsmöglichkeiten, wie Umfragen, Schiebereglern, etc., zu verändern. Dazu gibt leider noch keine erfassbaren Daten.
Forwarding ist der Normalfall
Bilder werden in Instagram Stories fünf Sekunden lang angezeigt, Videos sind 15 Sekunden lang. Durch Tippen auf der rechten Bildschirmhälfte können Nutzer die Story überspringen (Forward), Tippen auf der linken Bildschirmhälfte lässt einen zur vorherigen Story zurückkehren (Back) und ein Wischen von rechts nach links überspringt alle Stories des Profils und wechselt zu den Stories des nächsten (Exit).
Zwischen 70 und 80 Prozent aller Stories werden bei kleinen und auch großen Profilen weitergespult. Dies ist eine Eigenheit des Formats und als Normalfall anzusehen.
Unabhängig von der Größe des Profils werden Videos weniger weggeklickt als Bilder. © Fanpage Karma Aus der Statistik ist zu erkennen, dass Videos trotz ihrer Länge weniger häufig weitergeklickt werden. Das mag daran liegen, dass ein Bild sofort erfasst werden kann, bei einem Video möchte der Follower oft auch das Ende sehen. Jedoch sind es auch hier immer noch 75 Prozent der Videos, die übersprungen werden.
Exits hingegen passieren seltener als gedacht, da viele Nutzer im Forward-Modus zu sein scheinen und sich eher einmal durchklicken statt die Story komplett wegzuswipen. Nur 5 Prozent der Stories werden im Schnitt komplett weggeswiped. Was sich hieraus für die optimale Länge einer Story ergibt, möchte Fanpage Karma in der nächsten Studie untersuchen.
Wie können mehr Follower erreicht werden?
Was bringen diese Werte jetzt an Erkenntnissen für alle Social-Media-Manager, die auf der Suche nach Möglichkeiten sind, um ihre Reichweite zu erhöhen?
Nutzt mehr Stories. Mit bis zu drei Stories am Tag wie die großen Profile macht ihr nichts falsch und nervt eure Follower weniger als mit drei Posts am Tag.
Wenn möglich solltet ihr Videos statt Bildern teilen. Diese erfreuen sich höherer Beliebtheit und werden weniger weitergeklickt als Bilder. Fünf Sekunden scheinen für den Durchschnittsnutzer schon sehr lang zu sein. Achtet also darauf, dass ihr Inhalte kreiert, die länger als vier Sekunden interessant sind oder deren Aussage auf einen Blick zu erkennen ist. Kommt, um nicht in der Masse der Stories unterzugehen, direkt auf den Punkt und hebt euch das Highlight nicht bis zum Schluss auf.
Lasst euch durch wenige Replies und viele Forwards nicht entmutigen. Betrachtet jede Story als „on top“ zu euren normalen Posts und seht das Durchklicken als das, was es ist: eine Eigenheit des Formats.
Grundsätzlich sind die Ergebnisse der Studie nur als Richtwerte anzusehen. Jeder muss für sein Profil eigene Erfahrungen sammeln.

Ligatus goes Outbrain – Die Auswirkungen auf den Native Advertising Markt

Ligatus goes Outbrain – Die Auswirkungen auf den Native Advertising Markt

In den letzten Tagen wurde die Mediawelt von der Meldung aufgerüttelt, dass Ligatus eine Übernahme vom US-Riesen Outbrain bevorsteht. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus, wird aber im ersten Quartal erwartet. „Unterm Strich ein smarter Zug“, urteilt die Werben & Verkaufen. Von „Portfolioerweiterung“ spricht nüchterner die Horizont. Adzine sieht sich einer „Konsolidierung im Markt“ gegenüber.
Zum Hintergrund
Onlinewerbung gibt es seit Mitte der 90er Jahre. Seitdem hat sich das Miteinander von Content und Werbung von Grund auf verändert. So fanden sich die Werbeslots in den Anfängen häufig in sogenannte „Frames“ verbannt, die physisch vom Inhalt getrennt waren. Anschließend erfolgte die Annäherung der Werbeplätze über die Seitenränder des Contents: physisch bereits integriert, optisch aber weiterhin isoliert. Dafür zunehmend in großen Formaten. Zeitgenössische Werbung heute findet im Wechselspiel mit Content statt. Dies führte zur Geburt von Native Advertising. Ligatus spielte hier als deutscher Pionier eine entscheidende Rolle.
Entwicklung der Werbeplatzierungen von In Frame über Bannerslots bis zu direkt im Content platzierten Native Ads, © Resolution Media Zum Status von Native Advertising
Native Ads haben sich als Kommunikationsform etabliert. „Nutzer akzeptieren Native Advertising“, folgert eine Studie des VDZs 2018. Und „Werbeerinnerung, Wiedererkennung, Markenbekanntheit, Kaufabsicht: Native Advertising kann fast alles“, ist sich Gruner & Jahr in einer breit angelegten Studie des vergangenen Jahres sicher. Und der Branchenverband BVDW sieht für Native Advertising in 2019 mit neun Prozent ein größeres Wachstum voraus als für Paid Social, Online Video, Search oder Displaywerbung. Folgt man dem Beispiel USA, wird sogar davon ausgegangen, dass der Anteil von Native Advertising bald den der Displaywerbung übersteigen wird.
Auf dem deutschen Markt, der auf ein bis zwei Milliarden Euro geschätzt wird (Emarketer, Enders Analysis), tummeln sich Player wie Outbrain, Taboola, Define Media, Oath/Verizon oder die Seeding Alliance.
Auswahl an Native Advertising Anbietern in Deutschland, © Resolution Media Von diesen ist Outbrain der unumstrittene Marktführer. Ligatus entstand 2003 innerhalb von Onvista und wurde fünf Jahre später an Gruner & Jahr verkauft. Jetzt erfolgt ein weiterer Verkauf an das international agierende Unternehmen Outbrain. Gruner & Jahr erhält im Gegenzug Outbrain Anteile.
Ligatus und Outbrain: Wer wächst da zusammen?
Ligatus mit Hauptsitz in Köln wartet mit einem interessanten Portfolio u.a. aus der Gruner & Jahr Familie auf. Hochwertiger redaktioneller Content und bekannte Print- und Onlinemarken bilden ein attraktives Set-up: Gala, ntv und Die Welt aus Deutschland, De Telegraaf und de Volkskrant aus den Niederlanden, Corriere dello Sport aus Italien und LesEchos aus Frankreich sind nur eine kleine Auswahl der Plattformen, die für das anspruchsvolle Umfeld des Vermarkters stehen. In Europa ist Ligatus in zehn Ländern (Westeuropa und die Türkei) mit rund 1.400 Partnern aktiv. Hier werden via „Qualitätsansatz“ rund 37 Milliarden Ad Impressions pro Monat generiert.
Outbrain, originär in New York beheimatet, glänzt nicht nur mit qualitativ hochwertigen Partnertiteln wie Spiegel, Focus, Bild oder MSN, sondern auch mit einem weltweiten Netzwerk. Mit 16 Niederlassungen ist man in insgesamt 55 Ländern aktiv, darunter die USA, England, Frankreich, Deutschland, Brasilien, Indien und Japan. Rund 300 Milliarden Content-Empfehlungen werden nach eigenen Aussagen pro Monat ausgeliefert.
Auf Produktseite sind sowohl Ligatus und Outbrain inzwischen nicht nur mit Text-Bild-Kombinationen, sondern auch mit audiovisuellen/Video-Werbemitteln und programmatischer Werbeanbindung unterwegs. Damit sind bei beiden Partnern sowohl Cost-Per-Klick- als auch TKP-Einkaufsmodelle möglich.
Unsere Einschätzung
Ligatus hat viel von der früheren Rolle des Platzhirschs verloren. Die untenstehende Grafik von Pathmatics beschreibt seit 2017 deutlich geringere Reichweiten als zuvor. Outbrain dagegen hat sich im deutschen Markt als Marktführer etabliert. Daran hat auch der exklusive Deal von Wettbewerber Taboola mit der Bild nichts geändert. Dies hat aber möglicherweise die Bereitschaft von Outbrain zu Zukäufen erhöht, um die Marktstellung zu festigen und sich einen Zugang zu Gruner & Jahr zu sichern. Für Gruner kann sich der Schritt als strategisch wertvoll erweisen, da sie als Gesellschafter von Outbrains globalem Erfolg partizipieren werden.
Reichweitenentwicklung Ligatus in Deutschland, 09/2015 bis heute, © pathmatics.com Die Zusammenführung – vorbehaltlich der Zustimmung durch die Kartellbehörden – dürfte einen positiven Effekt für die Relevanz von Native Advertising im digitalen Werbemarkt haben. Durch die Akquise formt sich ein Player, der ein Gegengewicht zu Branchengrößen wie Google und Facebook darstellen könnte. Gleichzeitig wird sich Native gegenüber klassischen Bannerformaten und Werbeplätzen emanzipieren, weil hier Marktkräfte an einer Stelle gebündelt werden.
Spannend bleibt zu beobachten, wie die Preis- und Leistungsentwicklung von Ligatus und Outbrain verlaufen wird. Ligatus ging unserer Beobachtung nach mit etwas höheren Preisen aber auch höheren Onsite-Engagements ins Rennen und wird nun in ein breiteres und tendenziell etwas günstigeres Portfolio überführt. Damit könnte sich in Kombination mit dem Ausbau des Outbrain Marktanteils eine Erhöhung der Marktpreise abzeichnen.
Aus marktlicher Sicht kritisch zu werten ist allerdings, dass die Auswahl an Native Partnern, mit denen bislang eine parallele Ausspielung von Native Kampagnen möglich war, nun um einen relevanten Partner ärmer ist. Dies mag zu Einbußen bei der Kampagnenperformance führen, sollte aber durch die Vielzahl verfügbarer Alternativen am Markt aufgefangen werden können. Es bleibt also weiter spannend.

Gute Quoten: YouTube macht den großen TV-Sendern Konkurrenz

Gute Quoten: YouTube macht den großen TV-Sendern Konkurrenz

Vor vier Jahren verkündeten die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) und YouTube erstmals ihre Zusammenarbeit. Es handelt sich dabei um Googles erste Kooperation mit einem JIV und Ziel sei es, einen Überblick über den gesamten Bewegtbild-Konsum der Deutschen zu geben – nicht nur des klassischen Fernsehens. Die ersten Ergebnisse wurden nun in einer Pressemitteilung der AGF veröffentlicht.
Absichtliche Verzögerungen bei der Veröffentlichung der Daten?
Es stellt sich zunächst die Frage, wieso die ersten Zahlen erst vier Jahre nach Beginn der Kooperation veröffentlicht wurden. In diesem Zeitraum berichteten bereits andere Anbieter, dass die Beliebtheit von YouTube immer weiter zunimmt. Besonders die jüngere Generation kehre dem Fernsehen den Rücken zu. Böse Zungen vermögen zu behaupten, dass genau deshalb die Zahlen erst so spät veröffentlicht werden – sie schaden dem Ansehen der großen Sendegruppen. Die AGF wehrt sich jedoch gegen die Vorwürfe und verweist darauf, dass es nie Verzögerungen gab und die Zusammenarbeit mit Google schlichtweg sehr komplex wäre. Es mussten erst diverse Problemstellungen gelöst werden, bevor Auswertungen stattfinden und veröffentlicht werden konnten.
267 Minuten Bewegtbild pro Tag konsumiert Deutschland
Die nun veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf die über 18-jährigen Konsumenten im Zeitraum vom 04. bis 31. Oktober 2018. Insgesamt wurden knapp viereinhalb Stunden Videomaterial pro Tag und pro Kopf geschaut. 232 Minuten davon beziehen sich auf das klassische Fernsehen, zwei Minuten auf die dazugehörigen Mediatheken und 33 Minuten auf YouTube. Die Video-Plattform macht damit einen prozentualen Anteil von 12,4 Prozent aus. Um zu verstehen, wie positiv dieses Ergebnis für YouTube ist, muss man sich Folgendes vor Augen führen: Die Sendergruppen von ZDF und Prosieben/Sat1 liegen mit 45 Minuten pro Tag nur wenig über den Zahlen der Plattform.

Wie zu erwarten sind es lediglich die Gruppen von ARD (60 Minuten) und RTL (52 Minuten), die YouTube deutlich überschatten. Gleichzeitig muss aber bedacht werden, dass es sich bei der Auswertung um die Daten aller Erwachsenen handelt, also auch den älteren Generationen ab 60 aufwärts. Und dafür, dass YouTube bei diesen kaum bis gar nicht konsumiert wird, sind die Werte der Plattform herausragend. Würde man zudem die Zahlen auf kleinere Gruppen herunterbrechen, würde YouTube vermutlich noch besser dastehen. Bei den unter 30-Jährigen ist zu vermuten, dass die Zahlen der Plattform deutlich höher sind und dem Fernsehen starke Konkurrenz machen, beziehungsweise dieses bereits eingeholt haben. So zeigen Ergebnisse aus dem Gesamtjahr 2018, dass die 14- bis 29-Jährigen nicht einmal mehr 100 Minuten Fernsehen pro Tag schauen.
Content Owner weisen starke Werte auf
Leider hat die AFG bisher noch keine Zahlen zum gesamten Bewegtbild-Konsum nach Altersgruppen veröffentlicht. Doch auch wenn im oben genannten YouTube als Gesamtes genommen wird, gibt es bereits Auswertungen zu den Views der Content Owner. Studio71 (Prosieben/Sat1) verzeichnet im Beobachtungszeitraum 630 Millionen Views. Auch die Musikvideos von Vevo erfreuen sich großer Beliebtheit bei 490 Millionen Views. RTLs BroadbandTV kommt auf 463 Millionen. Vor allem die Kanäle der RTL II Formate „Berlin Tag und Nacht“ und „Köln 50667“ tragen hier zum Erfolg bei.

Funk, als Jugendangebot von ARD und ZDF, sticht besonders hervor, weil es seine „Meister“ übertrifft. So wurden im Beobachtungszeitraum 58 Millionen Views verzeichnet, während es auf den Channels der ARD 57 Millionen und bei denen des ZDF sogar nur 19 Millionen waren.
Eine detaillierte Auswertung ist nötig
Weitere Ziele der AFG sind es, die Zahlen wie bei den TV-Quoten herunterzubrechen auf jeden einzelnen Channel und schlussendlich auch auf jedes einzelne Video. So heißt es in der Pressemitteilung:

Für die AGF-Bewegtbildforschung ist es ein beachtlicher Meilenstein, gemeinsam mit YouTube die jetzige Stufe erreicht zu haben. Alle Beteiligten wissen, dass wir an diesem international einzigartigen Projekt beständig arbeiten müssen, um die differenzierte Nutzung der Plattform unter den sich dynamisch verändernden technologischen Entwicklungen bestmöglich abzubilden. Ziel der AGF ist es, YouTube ganz im Sinne eines gemeinsamen Marktstandards als verlässlich transparenten Partner im AGF-System auszuweisen.

Der Ansatz ist gut, jedoch sollten künftige Auswertungen noch detaillierter werden. Besonders auf das Konsumverhalten der jüngeren Generationen sollte eingegangen werden, denn dieses mit denen der Fraktion Ü60 gleichzustellen, lässt die Ergebnisse etwas schwammig erscheinen. So wirkt es momentan noch, als wenn das Fernsehen auf den ersten Blick klar dominiert, während dies in bestimmten Altersklassen schon lange nicht mehr der Fall ist. Zudem sollte auch überlegt werden, Streamingdienste wie Netflix in die Auswertungen miteinzubeziehen. Schließlich gilt für viele inzwischen nicht mehr das Primetime-Programm als Highlight eines entspannten Abends, sondern lieber „Netflix and Chill….“.

Umbruch bei Google: Erstpreisauktionen im Google Ad Manager

Umbruch bei Google: Erstpreisauktionen im Google Ad Manager

Google implementiert Erstpreisauktionen im Google Ad Manager, der hauseigenen Kombination aus Ad Server und Exchange. Damit schwenkt das Programmatic-Schwergewicht in eine langersehnte Richtung.
Von Zweit- zu Erstpreisauktion im Google Ad Manager
Momentan herrschen im Programmatic Advertising-Ökosystem verschiedene Auktionstypen vor. Ein Gebot für eine Impression muss oft mehrere Schritte durchlaufen, bis letztlich entschieden wird, wer den Zuschlag bekommt. Dies führt laut Google zu weniger Transparenz und erschwert die korrekte Bewertung von Inventar. Außerdem verkompliziert es die Optimierungsstrategien der Marktteilnehmer, so Sam Cox, Produktmanager von Google, in einem Blogbeitrag.
Bis jetzt setzte Google durchgehend auf ein Second-Price-Modell. Bei einer Zweitpreisauktion gewinnt der Höchstbietende, zahlt aber den Preis, den der zweite Teilnehmer geboten hat. Jetzt stellt Google einheitlich auf Erstpreisauktionen um. Damit gehen die Bieter in den direkten Wettbewerb um eine Werbefläche. Die Impression soll dann an den Käufer gehen, der das höchste Gebot abgegeben hat – für exakt diesen Preis.
So einfach stellt sich Google das Ergebnis vor, © Google Der Umbruch gilt für das Display- und Video-Inventar, das über den Ad Manager vermarktet wird. Für Bereiche wie Search, Google Ads oder Display & Video 360 sind keine Veränderungen zu erwarten.
Die Preise für Impressions werden zunächst ansteigen – Google gewährt Übergangsphase
Mit dem Umschenken auf Zweitpreisauktionen schlägt Google einen Weg ein, der sich schon länger in der Branche herauskristallisiert hat. So hat sich Headerbidding, das in der jüngsten Vergangenheit aufgekommen ist, bereits von Googles Second-Price-Modell entfernt. Viele Marktteilnehmer haben sich dafür ausgesprochen, Plattformen haben bereits zur Erstpreisauktion gewechselt. Google hatte sich jedoch bislang dagegen gewehrt und abgewartet.
Die Implementierung der Erstpreisauktion beim Google Ad Manager wird voraussichtlich zu steigenden Preisen für das angebotene Inventar führen, das darüber vermarktet wird. Die DSPs im Ökosystem sind schließlich auf Second-Price ausgelegt und dementsprechend optimiert. Daher muss die Bewertung des Inventars neu ausgelotet werden. Was wie ein kleiner Schritt wirkt, hat doch große Auswirkungen auf einen Milliardenmarkt, der von Jahr zu Jahr weiter anwächst.
Um den Übergang sanfter zu gestalten und etwaige Störungen zu vermeiden, sollen Publisher und Advertiser in den kommenden Monaten Zeit bekommen, um ihre Strategien anzupassen. Am Ende des Jahres soll der Prozess abgeschlossen sein.

Adblocker-Rate in Deutschland steigt nur minimal

Adblocker-Rate in Deutschland steigt nur minimal

Die Geschichte der ersten Adblocker beginnt in den 90er Jahren, in denen Programme für Fernseher erschienen, die in den Werbepausen auf den nächsten Kanal umschalteten. Schon damals gerieten sie stark in die Kritik und setzen sich nie wirklich durch. Zu Zeiten von Amazon Prime und Netflix sind Werbepausen ohnehin passé, stattdessen werden die Werbefilter jetzt im Internet gegen Pop-Ups und Werbeanzeigen eingesetzt.
Adblocker-Rate bleibt nahezu unverändert
Adblocker schützen den Nutzer vor störender Werbung und verbessern oftmals die Performanz der Übertragung. Kein Wunder also, dass mittlerweile fast ein Viertel der Deutschen einen Adblocker installiert hat. Ein beständiger Dorn im Auge der Webseitenbetreiber, denn schließlich werden auch viele Gratisdienste durch Werbung finanziert und durch Adblocker gefährdet. So wird beständig nach neuen Lösungen gesucht, die Anzeigenunterdrücker zu umgehen.
Umso mehr sollte es die Betreiber beruhigen, dass die Rate laut neuer Statistik des OVK im vergangenen Jahr 2018 nicht bedeutend angestiegen ist. Während die Rate im ersten Quartal 23,40 Prozent betrug, stieg sie im zweiten auf 24,45. Nach einem kleinen Abfall im dritten Quartal auf 23,71 Prozent stieg die Rate im vierten Quartal wieder um 0,24 Prozent auf 23,95 Prozent. Bei der Untersuchung handelt es sich um eine technische Messung der bei den Vermarktern geblockten Werbung.
Die Adblocker-Rate blieb über die letzten vier Quartale nahezu konstant. Höherer Fokus auf qualitative Werbung
Der Anteil der blockierten Werbung ist relativ hoch, aber stabil. Statt daran zu arbeiten, Adblocker zu umgehen, sollte in Zukunft besonderer Fokus auf qualitativ hochwertige Werbung gelegt werden. Zusammenschlüsse wie die „Coalition for Better Ads“, der z.B. Google und Facebook angehören, plädieren dafür, höhere Standards für die Internetwerbung zu schaffen und Nutzern so ein angenehmeres Online-Erlebnis zu ermöglichen. Werbung mit Mehrwert und nicht als Störfaktor, fordert auch Dirk Maurer, der Stellvertretende OVK-Vorsitzende.

Neues Werbeformat für Instagram: Branded Content Ads

Neues Werbeformat für Instagram: Branded Content Ads

Instagram baut die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen Advertisern und Influencern aus. Branded Content Ads lassen Werbetreibende direkt die Posts der Influencer bewerben, mit denen sie kooperieren.
Branded Content Ads als formelles Update
Das Format testet Instagram bereits seit vergangenem Jahr und stellte es nun auf einem kleineren Presseevent in den USA offiziell vor. Bislang war es Unternehmen mit den hauseigenen Tools nur möglich Influencer-Kampagnen zu realisieren, die die Followerschaft eben dieser erreichten. Jetzt sollen die Posts wie normale Ads promotet werden können. Dies war zuvor zwar schon über Umwege, also den Account der eigenen Marke zu lösen, wird nun aber formell über die Tool-Landschaft der Plattform zugänglich gemacht.
Ashley Yuki, Produktmanager bei Instagram, erklärt die Hintergründe des Updates:

Brands are seeing that this branded content ad product sometimes helps overcome challenges they have with organic branded content. [They are] exploring ways that brands can amplify branded content.

Damit macht es die Facebook-Tochter einerseits Advertisern einfacher, den Content der Influencer zu bewerben. Andererseits werden die Kooperationen dadurch transparenter. Da sich das Influencer Marketing immer weiter professionalisiert und auf dem Weg zu einem Milliardenmarkt ist, gilt Transparenz als das Gebot der Stunde.
Branded Content Tool bald für alle verfügbar
2017 führte Instagram sein Branded Content Tool ein, das anzeigt, wenn ein Post in Partnerschaft mit einer Marke verfasst wurde. Über dem Sponsored Post erscheint dann ein „Bezahlte Partnerschaft mit…“.
Bis heute steht das Tool nur ausgewählten Partnern zur Verfügung. Dies soll sich aber bald ändern. Wie die Sprecher auf dem Event bestätigten, können sich bald alle User für das Partnerprogramm bewerben.

Google macht mit Shoppable Ads Instagram und Pinterest Konkurrenz

Google macht mit Shoppable Ads Instagram und Pinterest Konkurrenz

Google hat am vergangenen Dienstag ein neues Werbeformat für die Bildersuche vorgestellt. Ähnlich wie auf Instagram und Pinterest wird es Anbietern möglich sein, gesponserte Suchergebnisse anzuzeigen, die direkt mit Preis und Seite des Onlineshops verknüpft sind. Noch befinden sich die Shoppable Ads in der Testphase, doch im Laufe des Jahres soll das neue Feature weiter ausgebaut werden.
Die Hälfte aller Käufer sucht vorher online nach Inspiration
Laut Google ist die Hälfte aller Käufer durch Bilder, die sie vorher von ähnlichen Produkten gesehen haben, zum Kauf inspiriert. Viele von ihnen nutzen zu diesem Zweck die Google Bildersuche. Daher erweitert Google die schon vorhandenen Google Showcase Shopping Ads, die bereits als Shopping-Ergebnisse bei passenden Suchwörtern angezeigt werden. Die neuen Shoppable Ads on Google Images machen sich einen ähnlichen Gedanken zunutze: Bei allgemeinen Suchbegriffen wie „Handtasche“ oder „Wohnzimmereinrichtung“ ist wahrscheinlich noch keine Entscheidung für ein spezielles Produkt oder eine bestimmte Marke gefallen. Die Werbeanzeigen locken den potentiellen Kunden also in genau dem richtigen Moment und machen auf ihre Produkte aufmerksam.
So funktionieren Googles Shoppable Ads on Google Images
Das neue Werbeformat der Shoppable Ads gibt sich nicht damit zufrieden, den potentiellen Kunden lediglich einzelne passende Produkte vorzuschlagen. Vielmehr soll eine ästhetische Zusammenstellung zu einander passenden Produkte angeboten werden, von denen möglichst viele im Warenkorb landen. Praktisch umgesetzt sieht das folgendermaßen aus: Wird eine Suchanfrage beispielsweise nach Inspiration zu einer neuen Wohnzimmereinrichtung in der Google Bildersuche gestartet, ist es Händlern möglich, mehrere ihrer Produkte in einem passenden Bild zu verlinken und so die Kunden auf ihren Onlineshop weiterzuleiten.
Die Werbeelemente werden größer sein als andere Suchergebnisse und mit einem „Gesponsert“- Label sowie einem Preisschildsymbol versehen sein. Gefällt den Nutzern eines der dargestellten Produkte, müssen sie nur mit der Maus einmal über den Artikel fahren und schon werden Produktname und Preisschild angezeigt. Über eine Verknüpfung gelangen die Kunden direkt auf die Seite des Werbetreibenden.

Google reiht sich in das lukrative Geschäft ein
Das Werbeformat an sich ist nicht neu. Instagram und Pinterest werben schon länger so für Produkte. Google reiht sich jetzt in das lukrative Geschäft ein. Doch Google stiehlt nicht einfach Ideen von anderen. Schon 2015 wurden die Shopping Ad Formate für YouTube vorgestellt. Im September vergangenen Jahres stellten sie die erste Version der Shoppable Ads vor. Damals kündigte Google an, das neue Format im nächsten Jahr vermehrt anzubieten und weiterzuentwickeln, auch für die Google Bildersuche.
Derzeit befindet sich das neue Format noch in einer Testphase. Mit ausgewählten Händlern wird erprobt, wie die Shopping Ads verwirklicht werden können und von Nutzern angenommen werden. Über die nächsten Monate sollen mehr Kategorien verfügbar werden.
Überholt Google Instagram und Co.?
Da viele Nutzer durch die Nutzung von Instagram und Pinterest bereits mit dem Format bekannt sind, dürfte dieses auch bei Google Images gut angenommen werden. Google versucht hierdurch, sich auch für visuelle Inspiration und Shopping als erste Anlaufstelle im Internet zu beweisen und Nutzer so von anderen Anbietern fernzuhalten. Inwieweit Google hierbei Instagram und Co. Konkurrenz macht, wird sichtbar werden, sobald die Shoppable Ads uneingeschränkt im Einsatz sind.

IGTV: Das unbeliebte Format nimmt rasant an Fahrt auf

IGTV: Das unbeliebte Format nimmt rasant an Fahrt auf

Bisher hat IGTV nicht so gezündet, die Adaption bei den Nutzern und Videoproduzenten war gering ausgeprägt. Nun schießen die Views allerdings durch die Decke – lediglich eine kleine Änderung im Instagram Feed war dafür notwendig: Content-Produzenten können jetzt eine Vorschau posten – und verzeichnen seither einen starken Anstieg an Views. Ob das nun zu einem Erstarken des Formats führt, bleibt vor dem Hintergrund einer fehlenden Monetarisierung jedoch fraglich.
IGTV – ein eher unbeliebtes Format
Angekündigt wurde IGTV als disruptives Videoformat, denn im Gegensatz zum gängigen horizontalen Format setzt IGTV Vertical Video voraus. Produzenten können oder sollten ihren Bewegtbild-Content nicht einfach weiterverwerten, sondern müssen Inhalte explizit im Hochformat zur Distribution auf der Plattform aufnehmen. Vermutlich war das ein Zuviel des Guten, denn schon nach kurzer Zeit, wandten sich viele aufgrund des hohen Aufwands wieder YouTube zu und hinterließen IGTV halbwegs verwaist. Die Views ließen ebenfalls zu wünschen übrig, da half auch die fast schon schmerzhafte Promotion Instagrams im Feed nicht. Nur allzu gern tippte man versehentlich auf das Popup, das nahezu verzweifelt neue Inhalte auf IGTV vorstellen wollte. Der verbliebene harte Kern an Marken und Unternehmen produzierte fleißig weiter und hielt IGTV so am Leben, auch wenn User weiterhin lieber Stories oder im Feed schauten.
In der vergangenen Woche führte Instagram eine kleine, aber wirkungsvolle Änderung ein: Video Creators waren ab sofort in der Lage, 60 Sekunden lange IGTV Previews im Feed zu posten. Seitdem haben die Views laut Later um 300 bis 1.000 Prozent zugelegt. Allein dies zeigt, dass IGTV noch lange nicht tot ist und die Nutzer allem Anschein nach lediglich einen deutlicheren Anreiz benötigen, sich die Videos in dem Kanal anzuschauen.
Contenterstellung und Nutzererfahrung bei IGTV gestalten sich schwierig
Die Fehler liegen auf der Hand: Wer sich einmal mit Videoproduzenten unterhalten hat, der weiß, wie schlecht diese auf vertikale Videos zu sprechen sind. Eine Umstellung erscheint vor dieser großen Abneigung als enorme Herausforderung. Zudem erfordern Videos auf IGTV im Gegensatz zu den Stories hohen Einsatz: Der Content muss qualitativ hochwertig und professionell produziert sein. Dafür, dass er sich allerdings lediglich auf einer einzigen Plattform, und auch da nur in einem sehr speziellen Segment mit geringen Views, distribuieren lässt, ist der Aufwand den meisten bisher schlichtweg zu hoch. Darüber hinaus gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Möglichkeit der Monetarisierung der Inhalte auf IGTV – im Gegensatz zu YouTube, wo populäre Publisher am Anzeigenumsatz beteiligt werden und durchaus bis zu zehn US-Dollar pro 1.000 Views verdienen können. Die Incentivierung extra eigenen Content für IGTV zu erstellen, was enorm viel Zeit frisst und sich kaum lohnt, ist daher gering und Grund dafür, dass sogar die Zugpferde, die Instagram anfangs ins Boot geholt hat, sich zwischenzeitlich abgewandt haben. IGTV stellt aus diesen Gründen bislang jedenfalls keine ernstzunehmende Gefahr für YouTube dar.
Auf Seiten der User stellt sich die Nutzung IGTVs ebenfalls als recht kompliziert dar. Anders als bei YouTube können hier keine Inhalte gesucht werden. Die Suchfunktion zeigt ausschließlich Kanäle an. Möchte ein Nutzer also etwa ein Tutorial über Drohnen ansehen, kann er dies nicht direkt suchen, sondern muss über die entsprechenden Kanäle gehen und sich durch den Content scrollen, bis er irgendwann findet, was er sucht – oder eben nicht.
Wischen und auf das X tippen führt direkt zurück zum Feed. Will man jedoch in IGTV verbleiben, hilft der „Entdecken“-Button. Auch integrierte sich IGTV bisher nicht richtig in die App, eher handelt es sich um einen völlig abgespaltenen Bereich, in den man nur über einen kleinen Button gelangen konnte. Und wird ein Video seitens des Users mittels des inzwischen intuitiven Wischens oder per Tap auf das X beendet, landet man wieder im Instagram Feed. Will man sich weiter auf dem IGTV Channel des Accounts umsehen, muss man IGTV wieder öffnen und den betreffenden Kanal suchen. Den „Entdecken“-CTA, mit dem man weitere Videos des Kanals aufklappt und anderen Content suchen kann, übersieht man schnell. Die Usability in dem Bereich lässt also zu wünschen übrig.
Massiver Zuwachs an Views nach Preview im Feed
Seitdem Instagram die Previews für den Feed eingeführt hat, nimmt ein Großteil der Kanäle, die IGTV bespielen, eine nennenswerte Zunahme an Views wahr, manche sogar um bis zu 1.000 Prozent. Als Beispiel nennt Later hier etwa @thebucketlistfamily, deren Viewzahlen zuvor im Schnitt bei 30.000 lagen. Das neueste Video nach dem Update verzeichnet 400.000.

Auch der Kanal von Marteria hat drei Mal mehr Views:

The Daily Show kann ebenfalls einen massiven Zugewinn an Views auf ihrem IGTV-Kanal vermelden:

Den IGTV Content neuerdings auch im Feed und im Grid sharen zu können, hebt ihn deutlich hervor und macht ihn für eine größere Zielgruppe sichtbar, die IGTV sonst ausgeblendet hat. Allein dies wird bereits ein großer Faktor für die Multiplizierung der Viewzahlen sein.
Kleine Änderung, große Wirkung
IGTV war seit seiner Einführung im Sommer 2018 ein Rohrkrepierer. Die relativ kleine Änderung der Preview im Feed hat gezeigt, dass die fehlende Adaption nicht an den Inhalten liegt, sondern am Zugang. User lieben es möglichst einfach und sind an eine intuitive Nutzung gewöhnt. Gestalten sich Dinge zu kompliziert, und handelt es sich dabei auch nur um zwei Klicks zu viel, kann das schon ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg sein. Ob die starke Zunahme an Zuschauern jedoch jetzt dazu führt, dass Creators sich vermehrt mit Vertical Video auseinandersetzen, ist nicht abzuschätzen. Die fehlende Monetarisierung könnte den Produzenten bei dem aufwändigen Format bislang ein echter Dorn im Auge sein. Zudem funktionieren wiederverwertete horizontale Inhalte, wie die @thebucketlistfamily eindrücklich beweist, dennoch.