Virale App unter Beschuss: Jetzt antwortet FaceApp auf Datenschutzvorwürfe

Virale App unter Beschuss: Jetzt antwortet FaceApp auf Datenschutzvorwürfe

Ein Trend, bei dem Nutzer Bilder von sich hochladen, auf denen sie deutlich älter aussehen als sie sind, ist seit einigen Tagen online zu beobachten. Ermöglicht wird dies durch eine App, die mit AI arbeitet, um die von Nutzern hochgeladenen Fotos realistisch zu bearbeiten. FaceApp ist derzeit die beliebteste kostenlose App im Google Play Store und Apple Store. Seit 2017 unterstützt sie die beliebte Spielerei mit Filtern, die das Gesicht des Users verändern. Doch jetzt kommen Bedenken auf, ob die Fotos und persönlichen Daten der FaceApp-Nutzer bei der russischen App sicher aufgehoben sind.
In einem Statement geht FaceApp auf die Vorwürfe ein
Um ein Foto von sich durch die Filter bearbeiten zu lassen, ist es nötig, das Bild in der App hochzuladen. Diese lädt es wiederum auf einen Server, um es schließlich bearbeitet an den Nutzer zurückzuschicken. So entstanden die Bedenken über den Umgang und die Speicherung von Nutzerdaten. Grundsätzlich steht in den Nutzungsbedingungen der App, dass mit dem Bestätigen derselben das Einverständnis zur Nutzung der hochgeladenen und bearbeiteten Fotos für kommerzielle Zwecke gegeben wird. Nach eigenen Angaben werden Bilder meist nach 48 Stunden Stunden gelöscht, jedoch behält die App sich vor, die Daten auch nach dem Löschen auf dem Server zu speichern. Nutzer könnten jedoch beantragen, dass ihre Daten endgültig entfernt werden. Am einfachsten geht dies derzeit über den Support in den Einstellungen der App. Allerdings sei ein Löschen nur bei Nutzern möglich, die sich in der App eingeloggt haben, bei allen anderen gelte das allerdings nicht, da ohne einen Login eine Identifikation nicht stattfinden könne, erklärt FaceApp in einem Statement gegenüber TechCrunch.
Hat die App Zugriff auf die Bildergalerie der Nutzer?
Ein anderes Problem, das iOS-Nutzer sahen, lag in dem Zugriff der App auf die Camera Roll, obwohl dieser in den Einstellungen nicht zugelassen war. Dies ist jedoch ein von Apple zugelassenes Verhalten, das auf dem Prinzip des user intend beruht. Nicht die gesamte Camera Roll werde hochgeladen, nur das Foto, das der User gezielt aussucht und anklickt. Auch zu der Weitergabe von Daten positioniert sich das russische Unternehmen in dem Statement deutlich:
We don’t sell or share any user data with any third parties.
Ebenso die Tatsache, dass das FaceApp Team in Russland sitzt, sorgte für einige beunruhigte Gegenstimmen. Wie CNN berichtet, hat sich der Demokrat Chuck Schumer mit einem Brief an die Bundespolizei gewandt, in dem er seine Bedenken äußerte und dabei auf die russische Einflussnahme im Wahlkampf 2016 anspielt.

NEW: First to @NBCNews: @SenSchumer is asking the FBI and FTC to conduct a federal national security & privacy investigation into the Russia-based company, Face-App, which is producing all of those aged photos of your friends you’re seeing on social media.
Full letter is here: pic.twitter.com/9Q72yrj92c
— Frank Thorp V (@frankthorp) July 17, 2019

Doch obwohl in den Nutzungsbedingungen die Weitergabe der Daten auch nach Russland nicht ausgeschlossen wird, findet sich in FaceApp’s Statement die Aussage:
Even though the core R&D team is located in Russia, the user data is not transferred to Russia.
Bewusstsein bei den Nutzern schaffen
Letztendlich zeigt sich bei FaceApp ein ähnliches Problem wie bei allen kostenlosen Sevices und Apps. Wenn das Produkt nichts kostet, ist meist der Nutzer das Produkt. Das Problem ist nicht die Weitergabe der Bilder an einen Server, sondern vielmehr, dass die Nutzer darüber nicht informiert werden. In Zeiten, zu denen viele Nutzer Screenshots oder Fotos von Bankdaten, Kontoauszügen etc. machen, kann dies zu einem echten Problem werden. Doch wie so oft liegt es hier an den Nutzern, sich klar zu machen, welche Daten man wem zur Verfügung stellt und welche Berechtigungen man ihnen mit der Zustimmung der AGB und Datenschutzerklärung gibt.