Was Unternehmen von “Wisst ihr noch?“ über Reichweitenaufbau lernen können

Was Unternehmen von “Wisst ihr noch?“ über Reichweitenaufbau lernen können

An der Spitze der deutschen Videopublisher auf Facebook steht nicht etwa ein Fernsehsender oder ein Newsmedium wie Spiegel, Bild und Co. Vielmehr ist es die Medienmarke „Wisst ihr noch?“ – insgesamt mehr als drei Millionen Fans lassen sich jeden Monat von den kreativen Inhalten unterhalten und erzeugen allein auf Facebook monatlich mehr als 50 Millionen Views. Als Gründer und Chief Content Officer der Seite, gebe ich euch hier Einblicke in unsere Strategie und teile mein Wissen darüber, wie ihr mit Nischenthemen große Reichweite und loyale Fans erzeugen könnt.
Der größte deutsche Videopublisher auf Facebook ist kein etabliertes Medienunternehmen, sondern die Fanpage „Wisst ihr noch?“ It’s all about content! Nische vs. Massenpublikum
Das Wichtigste für eine Social Media-Präsenz ist das Thema – nur so können Seiten aus der Masse herausstechen und das Publikum für sich begeistern. Als ich „Die 90er! Wisst ihr noch?“ 2009 ins Leben rief, war die Sparte Retrotainment bei Facebook bislang kaum besetzt. Ursprünglich war die Seite ein reines Hobbyprojekt – quasi „am lebenden Objekt“ konnte ich hier Testen und Experimentieren, um Social Media besser zu verstehen. Das Retrotainment-Konzept funktionierte von Anfang an und unser erster Post – ein Bild von den ikonischen Buffalos aus den 90ern – wurde zu meiner anfänglichen Überraschung oft geteilt – der erste virale Erfolg von „Wisst ihr noch?“. Es war nur ein logischer Schritt, irgendwann auch über den Tellerrand der 90er-Jahre hinauszublicken – und so startete ich zusätzlich das Projekt „Die 2000er! Wisst ihr noch?“.
Learning: Ein Thema mit einem großen Publikumspotenzial ist gleichermaßen geeignet wie eine kleine, aber bislang unbesetzte Nische. Wichtig ist: Kopiere nicht bereits bestehende Konzepte und Ideen, sondern besetze ein Thema für dich, um dich durch Deinen Pionierstatus langfristig als Experte zu positionieren.
Der erste Beitrag von Wisst ihr noch auf Facebook erzielte bereits überdurchschnittlich viele Interaktionen. First things first! Erst auf eine Plattform spezialisieren
Bis 2017 sind beide Seiten massiv gewachsen und wir erkannten allmählich das riesige Potenzial, das in den Marken steckt. Für eine weitere Professionalisierung und das weitere Wachstum der Seiten war Unterstützung notwendig geworden. Aus diesem Grund schlossen wir uns mit der Performance Marketing-Agentur cormes zusammen, die von nun an als eine Art Inkubator fungiert. Die Früchte der Zusammenarbeit ernteten wir schon im gleichen Jahr: der Launch der eigenen Website wisst-ihr-noch.de, der Start einer weiteren Facebookseite „Wisst ihr noch?“ ohne konkret festgelegtes Jahrzehnt, ein YouTube- und Instagram-Kanal.
Learning: Wähle zu Beginn die richtige Plattform und konzentriere dich auf diese. So kannst du ausprobieren, welche Themen oder Postings beim Publikum besonders gut ankommen und dir einen ersten Fankreis aufbauen. Bei uns begann die Reise – auch, weil es damals deutlich weniger große soziale Netzwerke gab – auf Facebook. Ist Deine Zielgruppe eher auf Instagram anzutreffen, solltest du dort beginnen. Anschließend kannst du dich mit diesem Wissen auch auf weitere Plattformen erweitern. Da du bereits einen kleinen Fankreis hast, hast du somit einen kleinen Startvorteil, da die Marke bereits bekannt ist. Die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern, wie in unserem Fall cormes, gibt dir den nötigen Schub in Form von Manpower, Produktionsflächen und -resourcen, um die Präsenz auf weitere Kanäle auszuweiten.
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Alle Macht den Nutzern! Content-Produktion ist keine Einbahnstraße
Die weitere Professionalisierung in Zusammenarbeit mit cormes bedeutete auch, dass wir in Berlin-Kreuzberg ein eigenes Videostudio einrichteten. An diesem Ort produzieren wir seitdem eigene Content-Formate für sämtliche Kanäle, oft mit der Unterstützung von Gaststars, die einen starken Bezug zu den 90ern oder 2000ern haben. Von Anfang an haben wir uns dabei bewahrt, dass unsere Community nicht nur aus Content-Konsumenten besteht, sondern selbst an der Kreation beteiligt ist. User Generated Content ist daher ein bedeutender Bestandteil im Content-Mix von „Wisst ihr noch?“. Aus diesem Grund waren unsere Nutzer auch bei der Entwicklung unseres ersten Offlineproduktes, einer CD mit den größten Liedern aus den 90ern, beteiligt – anhand von Umfragen konnte aus einem großen Pool an Liedern gewählt werden. Die beliebtesten Songs schafften es dann auf das Album.

Learning: Greifst du mit Deiner Marke ein ganz neues Thema auf, hast du einen gewissen Startvorteil. Springst du dagegen auf einen Trend auf oder willst ein Thema besetzen, bei dem es schon viele Mitbewerber gibt, ist weitere Planung notwendig: Wie soll der Content aufbereitet werden? Wo soll er herkommen? Welche Inhalte werden überhaupt gezeigt? Wir haben gelernt, dass man die Community und Feedback stets ernst nehmen sollte. Content-Produktion ist keine Einbahnstraße, wo die Produzenten auf der einen und die Konsumenten auf der anderen Seite stehen. User Generated Content und ein enges Miteinander mit den Fans sorgen dafür, dass diese sich mit der Plattform noch besser identifizieren können, schließlich tragen sie wesentlich zu Gestaltung des Produktes bei.
Better together! Richtige Partner geben Wachstumsschübe
Auch 2019 hielten wir die Marke auf Wachstumskurs und sind von nun an auch auf Snapchat und Tiktok aktiv. Wie schon bei Facebook sind wir auch mit diesen Plattformen eine Media-Partnerschaft eingegangen – ein Schritt, der auch für andere Medienmarken, die in Social Media hoch hinaus wollen, unerlässlich ist. Die Kooperation mit den Plattformen ermöglicht nicht nur einen besonderen Support durch Facebook, Snapchat oder Tiktok, sondern erlaubt detailliertere Einblicke in die Analytics der Accounts und hilft somit dabei, seine Zielgruppe besser zu verstehen. Um auch auf YouTube zunehmend präsenter zu werden, kooperieren wir hier mittlerweile mit dem Multichannel-Network Kontor New Media.
Learning: Reichweitensteigerung heißt nicht nur, die Kanäle sukzessive zu erweitern, sondern sich gezielt Partner zu suchen. Ist bereits ein erfolgreiches Fundament gelegt, sorgen Media- bzw. Creator-Partnerschaften dafür, dass du einen tieferen Einblick in die KPIs Deiner Seite erhält. Der bessere Support gibt dir zudem besseren Handlungsspielraum, damit bei Deiner Social Media-Seite stets alles rund läuft.